Peninsula Reykjanes - die unterschätzte Halbinsel im Süden von Island

Der südwestlichste Zipfel Islands ist nach meiner Einschätzung ein eher unterschätzter Teil dieses Landes.

Wenn man auf dem Luftweg nach Island kommt, dann betritt man auf dieser kleinen Halbinsel zum ersten Mal die Insel. Genauer gesagt am Internationalen Flughafen Keflavik.

Und dann?

Die meisten holen sich ihren Mietwagen oder suchen sich einen Bus und entfliehen diesem auf den ersten Blick eher tristen Ort und machen sich auf den Weg nach Reykjavik.

So ging es auch mir.

Vom Flugzeug aus sah ich bereits im Landeanflug die Halbinsel Reykjanes und befand sie für wenig spektakulär. Von oben sieht es aus als wäre das ganze Land unter einem eben und voller brauner trockener Erde oder Gestein.

Für mich stand sie schon vorher nicht auf der Tourenliste durch Island und in dem Moment der Landung bestätigte sich mir, dass mein Plan sie nicht weiter zu beachten schon passen würde.

 

Peninsula Reykjanes, Island

Blick auf die Reykjanes Halbinsel beim Landeanflug

 

Aber am Ende kommt es ja doch immer irgendwie anders.

Wir entschieden, nachdem die ganze Insel einmal von uns umrundet wurde die letzten beiden Tage in Reykjavik zu verbringen, um uns auch noch diese Stadt anzusehen.

Ja was soll ich sagen.

Reykjavik war ganz nett aber irgendwie auch nicht mehr. Die Stadt ist klein und an einem Nachmittag hat man das meiste gesehen. Vielleicht lag es auch am Regenwetter, das uns dort zum ersten Mal einholte oder einfach daran das nach zwei Wochen wunderschöner und krasser Natur der Funke für diese Stadt bei mir nicht so wirklich überspringen wollte.

Wir entschieden: Ein Tag reicht völlig.

Und jetzt?

Wir hatten noch einen Tag übrig und den Plan am letzten Abend in der Nähe des Flughafens zu campen, um das Auto rechtzeitig vor dem Heimflug zurück bringen zu können und nicht erst ewig dafür fahren zu müssen.

So las ich ein wenig über die Reykjanes Halbinsel und mir wurde schnell klar: Da gibt es ja doch noch einiges zu sehen.

Ja vielleicht nicht so spektakuläre Dinge wie an vielen anderen Orten Islands aber im Nachhinein muss ich sagen war es wirklich schön auch diesen Teil der Insel noch kennen gelernt zu haben.

 


Eine fast Umrundung der Reykjanes Halbinsel

 

Verlässt man die Straße zwischen Reykjavik und dem Flughafen und biegt auf die Straße 42 ab, kommt man bereits nach wenigen Kilometern zum Kleifarvatn See.

Dieser See liegt inmitten kleiner Berge still und friedlich da und glänzt in einem wunderschönen Blau.

 

Kleifarvatn See, Peninsula Reykjanes, Island

Kleifarvatn See

 

Die ganze Region der Reykjanes Halbinsel wird bestimmt von der Verwerfungszone des Mittelatlantischen Rückens, die sich quer durch Island zieht. Die meisten kennen Thingvellir und dass man dort zwischen der amerikanischen und eurasischen Platte spazieren kann aber die wenigsten wissen, dass sich diese Verwerfung durch die Reykjanes Halbinsel weiterzieht und man auch hier ständig mit dieser Geologie konfrontiert wird.

So kann man zum Beispiel am Kleifarvatn See ein sehr gutes Beispiel für die Kraft der Erde sehen. Duktile Verformung. Wenn Druck auf Gestein ausgeübt wird dann gerät es unter Spannung und fängt an sich langsam zu verformen. Am Anfang aber nur duktil, das heißt es verbiegt sich aber bricht noch nicht. Erst wenn der Druck zu groß wird und eine gewisse Belastungsgrenze im Gestein erreicht wird kommt es zum Bruch und Risse und Klüfte entstehen.

 

Duktile Verformung, Peninsula Reykjanes, Island

Beispiel einer Duktilen Verformung

 

Das Gebiet um den See gehört zum Vulkangebiet des Krysuvik und ist aktiv, was auch viele Erdbeben mit sich bringt. In seiner Nähe finden sich auch Geothermalfelder, die auch auf unserer Strecke das nächste Ziel waren.

Das Geothermalgebiet bei Seltun liegt direkt an der Straße 42 und ist mit kleinen Holzwegen gut ausgebaut. Man kann direkt davor parken und dann über die angelegten kleinen Wege durch die schwefelhaltigen Dämpfe und zwischen den Schlammtöpfen umher spazieren.

 

Seltun, Geothermalgebiet, Peninsula Reykjanes, Island

Seltun Geothermalfeld

 

Hier beträgt die Temperatur in einer Tiefe von 1000 Metern bereits 200 °C und das sieht man auch an dem heißen Dampf, der überall aufsteigt.

Wer noch nicht genug hat kann auch den dahinter liegenden Berghang des Sveifluhals erklimmen und hat dann eine schöne Sicht ins Umland und hinunter auf das farbenfrohe Geothermalgebiet.

 

Seltun, Peninsula Reykjanes, Island

Seltun

 

Unsere Fahrt geht weiter. Nur einen Kilometer und da ist auch schon wieder der nächste Parkplatz an der Straße. Man hält direkt an einem kleinen Kratersee, der in einem wunderschönen Türkis leuchtet.

Der Graenavatn ist ein Maar. Dies ist ein Explosionskrater, der sich dann später mit Wasser gefüllt hat.

Mit 300m Durchmesser ist er der größte Explosionskrater dieser Region.

 

Graenavatn, Peninsula Reykjanes, Island

Graenavatn

 

Wenn man der Straße weiter folgt, fährt man immer wieder durch riesige Felder von Lavagestein, die in diesem Gebiet durch die Vulkane gefördert wurden. Die bekanntesten Ausbrüche sind die Trölladyngja Feuer von 1151-1188.

Der letzte Ausbruch dieser Region ereignete sich 1340.

Und trotz der langen Zeit, die dieser Ausbruch her ist, ist man sich hier sehr wohl bewusst, dass es hier unter der Erde immer noch brodelt und zischt.

 

Lava, Peninsula Reykjanes, Island

Lavafelder entlang der Straße 427

 

Wir verlassen die Straße 42 und biegen ab auf die 427. Nach kurzer Zeit, die man an der Steilküste des Atlantiks entlangfährt, kommt man in das kleine Örtchen Grindavik. Wobei ich sagen muss, klein ist vielleicht nicht richtig. Im Gegensatz zu anderen waren es fast schon viele Häuschen, die ich so abgeschieden hier unten an der Küste nicht erwartet hätte. Ein kleiner Hafen und einen Supermarkt gibt es auch.

Wir haben nicht Halt gemacht und sind zur Straße 425 abgebogen. Hier kommt auch irgendwann das Richtungsschild zur berühmten Blauen Lagune, aber dieser Touristen Hotspot war uns einfach zu teuer und so ging es weiter die Straße entlang bis zum Schild Brimketill.

Ein kleiner Parkplatz an der Straße und ein Schild mit dem Zeichen für Sehenswürdigkeit ließ uns anhalten. An fast all solchen Orten, die extra ausgeschildert sind, begrüßen einen auch ein paar große Infotafeln, damit man sich erst einmal belesen kann was es hier zu entdecken gibt.

Die Brimketill sind Hot Pots, die in der Steilküste zum Atlantik liegen und eine wirklich großartige Aussicht zu bieten haben. Man darf aber hier nicht baden gehen, weil es einfach viel zu gefährlich wäre.

Einige Besucher sind natürlich wieder einmal durch die Absperrung durch und auf den Felsen entlang balanciert, um ein noch besseres Foto zu bekommen. Aber mir reichte der Blick von der Aussichtsplattform. 

 

Brimketill, Atlantik, Peninsula Reykjanes, Island

Brimketill

 

Nachdem wir wieder im Auto saßen ging es weiter auf dieser Straße zum Geothermalgebiet Gunnuvher.

Das ganze Gebiet wird zur Energiegewinnung genutzt und ist wieder einmal Ausdruck der Kraft im Inneren der Erde.

Man kann es von zwei Seiten anfahren.

Wir entschieden uns in mangelnder Kenntnis darüber, dass es zwei Parkplätze gibt für den als ersten ausgeschilderten. Das war dann der Parkplatz Ost.

Es gibt wie gesagt auch noch einen auf der Westseite (Parkplatz West) aber eigentlich ist es egal welchen ihr nehmt, da man zwischen ihnen hin und her laufen kann. 

 

Gunnuvher, Geothermalgebiet, Peninsula Reykjanes, Island

Gunnuvher Geothermalgebiet

 

Es ist jetzt nicht riesig groß und auch nicht so spektakulär wie andere Geothermalfelder aber dort kann man auf dem kleinen ausgebauten Weg wenige Meter neben einer riesigen Wasserdampfsäule stehen, die stetig aus dem Boden hervorgeschossen kommt.

So nah bekommt man finde ich eine Vorstellung davon was im Inneren dieses Planeten abgeht und wie klein und unbedeutend wir sind, sollte er sich dazu entschließen seine Macht mal richtig zu entfesseln.

An solchen Orten bekommt man eine Ahnung davon wie es hier mal vor Milliarden von Jahren ausgesehen haben muss und was für ein „Zufall“ es ist, dass wir jetzt inmitten von grüner Natur und blauen Flüssen und Ozeanen leben. Denn das da vor einem ist einfach nur lebensfeindlich, der Boden unter der kleinen Holzbrücke ist 100° Celsius heiß und mit Schwefel überzogen. Überall stinkt es nach faulen Eiern und doch gibt es jetzt soviel Leben auf diesem Planeten. Ein Wunder, wie ich finde.

 

Gunnuvher

 

Nun aber weiter. Wenn man Gunnuvher von Westen aus anfährt, beziehungsweise von der 425 Richtung Küste abbiegt, landet man automatisch am "ältesten" Leuchtturm Islands.

Der Leuchtturm Reykjanesviti ist zwar nicht der älteste, aber sein Vorgänger war der erste der Insel.

1878 nahm er seinen Betrieb auf und wurde 1887 durch ein Erdbeben schwer beschädigt.

1908 wurde dann ein neuer Leuchtturm ein wenig landeinwärts errichtet und in Betrieb genommen.

Die Reste des alten wurden 1908 gesprengt.

 

Reykjanesviti, Leuchtturm, Peninsula Reykjanes, Island

Leuchtturm Reykjanesviti

 

Man kann am Fuße des kleinen Berges parken und zum Leuchtturm hinauflaufen oder man fährt noch ein kleines Stück weiter zur Küste und landet an einem unbefestigten Parkplatz direkt an der Steilküste.

Hier hat man den Blick hinaus auf den Atlantik und auf die kleinen Felsen, die vor der Küste stehen. Oft ist das Meer hier rau und hohe Wellen brechen gegen die Felsen.

 

Peninsula Reykjanes, Island

Südwestlichster Punkt Islands

 

Als wir da waren, war es eher ruhig und vor allem das kreischen der hier brütenden Meeresvögel lag in der Luft. Viele Steilklippen in Island mit ihrem rauen Lavagestein sind optimale Brutstätten für Meeresvögel wie Möwen oder Papageientaucher und überall sieht man ihre Nester im Gestein.

 

Peninsula Reykjanes, Island

Steilküste am Südwestlichsten Punkt Islands

 

Hier an dieser Küste steht auch eine Statue eines Riesenalks.

Dieser flugunfähige Vogel, der einem Pinguin gleicht, aber mit 85 cm eine beeindruckende Größe erreichte, war früher hier beheimatet.

Über die Zeit wurde er an vielen Orten vertrieben, bis ihm nur noch Island als Heimat blieb.

Durch die Seltenheit dieses Vogels wurde er aber immer wertvoller für Ornithologen. Das letzte Paar wurde für einen Sammler gefangen und 1852 starb diese Art dann aus.

Die Statue ist Teil des Lost Bird Projekts, bei der ein internationaler Künstler Skulpturen von ausgestorben Vögeln geschaffen hat, wie auch die hier aufgestellte des Riesenalk.

 

Riesenalk, Peninsula Reykjanes, Island

Riesenalk Statue

 

Wir verlassen des südwestlichsten Zipfel Islands und kehren zurück auf die Straße 425.

Nach wenigen Kilometern machen wir Halt an der Brücke zwischen Amerika und Europa.

Die Brücke zwischen den Kontinenten spannt sich hier über den Mittelatlantischen Rücken, der hier zu Tage tritt. Eine Reihe von Spalten und Rissen ziehen hier vom Meer kommend landeinwärts.

Die Brücke ist schnell überquert und man kann auch darunter herumlaufen. Einige Schautafeln erklären sehr gut die Geologie und zeigen anhand einer Karte der Kontinentalplatten wo man sich befindet.

Ich fand es ganz nett gemacht und auch interessant.

 

Peninsula Reykjanes, Island

Brücke zwischen den Kontinenten

 

Sie ist jetzt nicht so spektakulär, dass ich nur dafür extra hier runter gefahren wäre, aber sie lag auf dem Weg und daher haben wir natürlich angehalten. Und ein paar lustige Fotos mussten auch gemacht werden.

 

Brücke zwischen den Kontinenten

 

Danach sind wir der Straße weiter gefolgt und am Flughafen vorbei Richtung Westen nach Sandgerdi abgebogen. Dort gibt es einen kleinen, aber schönen Campingplatz am Stadtrand, wo wir unsere letzte Nacht verbrachten bevor es dann wieder mit dem Flieger nach Hause ging.

 

Sandgerdi, Camping, Peninsula Reykjanes, Island

Campingplatz in Sandgerdi

ENDE


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