Der W Trek im Torres del Paine Nationalpark

Unsere Erfahrungen auf der 5-Tages-Wanderung in Patagonien

Der Torres del Paine Nationalpark ist wohl Patagoniens berühmteste Landschaft.

 

Es gibt Orte, von denen träumt man jahrelang. Orte, deren Bilder man immer wieder sieht und bei denen man sich irgendwann fragt, ob sie in Wirklichkeit überhaupt genauso beeindruckend sein können wie auf Fotos. Der Torres del Paine National Park war für uns genauso ein Ort.

 

Schon seit über zehn Jahren stand der W Trek auf unserer Bucketlist. Lange bevor wir überhaupt konkret an Südamerika gedacht haben, war da dieser Gedanke: Irgendwann wollen wir einmal durch Patagonien wandern. Irgendwann wollen wir vor diesen Granittürmen stehen. Über Jahre war das eher ein ferner Traum – einer von denen, bei denen man nicht weiß, ob man ihn irgendwann wirklich umsetzt. Und dann standen wir plötzlich tatsächlich davor.

 

Und ehrlich gesagt haben wir unsere gesamte dreimonatige Reise durch Südamerika genau darum herum geplant.

Der W Trek war tatsächlich das Erste, was wir gebucht haben.

Nicht Peru.

Nicht Bolivien.

Nicht Chile.

Sondern Torres del Paine.

 

Weil man inzwischen unglaublich früh dran sein muss.

Teilweise öffnen die Buchungsportale neun Monate im Voraus – und selbst dann wird es schon knapp. Gerade wenn man eine bestimmte Route laufen möchte oder in der Hauptsaison unterwegs ist.

Als wir im Juli geschaut haben, war für Dezember und Januar bereits überraschend viel ausgebucht. Für unsere Wunschroute gab es gerade noch genau eine Möglichkeit im Dezember – und eine im Januar.

Also haben wir gebucht.

Ohne lange zu überlegen.

 

Und dann war dieser Trek plötzlich fix.

Monatelang geplant.

Monatelang darauf hingefiebert.

 Und dann standen wir tatsächlich da.

 

Als wir schließlich in Puerto Natales ankamen – dem Ausgangspunkt für den Nationalpark – fühlte sich das alles ehrlich gesagt noch immer ziemlich unwirklich an. Unsere Ankunft war allerdings weniger Postkartenmotiv und deutlich mehr Patagonien in seiner ehrlichsten Form.

Es war abends.

Es regnete.

Es stürmte.

Und es hatte ungefähr fünf Grad.

Mitten im Dezember.

Also mitten in der offiziell besten Reisezeit.

Auf den Bergen lag Schnee, die Straßen waren nass, der Wind fegte durch Puerto Natales und wir standen mit unseren Trekkingrucksäcken dort und dachten uns beide ungefähr dasselbe:

 

Okay… was machen wir hier eigentlich gerade?

 

Das Internet verspricht für den patagonischen Sommer Wanderwetter, lange Tage und Temperaturen bis 20 Grad. Die Realität sah bei uns eher nach Regenjacke, Mütze und Wintermodus aus. Und genau diese Mischung aus Wetterchaos, Vorfreude und leichter Nervosität hat eigentlich perfekt zu Patagonien gepasst.

 

Denn gleichzeitig war da natürlich auch dieses riesige Gefühl, endlich da zu sein.

Nach all den Jahren Planung.

Nach all dem Lesen.

Nach all den Bildern.

Nach all dem Organisieren.

Endlich wirklich hier.

 

Am nächsten Morgen sollte es losgehen.

Fünf Tage Trekking.

67 Kilometer.

Vier Nächte im Zelt.

 

Und plötzlich war dieser Ort nicht mehr nur etwas, das wir von Fotos kannten – sondern Realität.

 

Die Landschaft im Torres del Paine Nationalpark ist schwer zu beschreiben, ohne dabei in Superlativen zu landen. Türkisblaue Seen liegen zwischen schroffen Bergmassiven. Gletscher ziehen sich durch die Täler. Über offene Ebenen fegt der Wind. Guanacos stehen am Wegesrand, während über einem manchmal Condore kreisen. Die Farben wirken oft fast unwirklich – das Blau des Wassers, das Grau der Berge, das Weiß des Schnees und dazwischen gelbe Gräser und Blumenwiesen.

Und dazu dieser patagonische Himmel, der innerhalb weniger Minuten alles verändern kann.

Sonne.

Regen.

Dunkle Wolken.

Blauer Himmel.

Schnee.

Genau das macht diesen Ort so faszinierend – und gleichzeitig so unberechenbar.

 

Bevor wir dort waren, hatten wir Torres del Paine vor allem als spektakuläre Landschaft im Kopf.

Nachdem wir dort waren, verbinden wir damit noch viel mehr.

Wind, der dich fast von den Wegen drückt.

Den Klang von Regen nachts auf dem Zeltdach.

Das Gefühl morgens den Reißverschluss des Zelts zu öffnen und direkt auf Berge zu schauen.

Schwere Beine nach langen Etappen.

Völlige Müdigkeit.

Kalte Finger.

Nasse Kleidung.

Zu schwerer Rucksack.

 

Und gleichzeitig dieses unglaublich einfache Gefühl, mit wie wenig man plötzlich auskommt.

Laufen.

Essen.

Schlafen.

Weiterlaufen.

Mehr braucht es manchmal nicht.

 

Und genau deshalb ist der W Trek für uns heute nicht einfach nur eine schöne Wanderung gewesen.

Sondern ein Erlebnis, das uns wahrscheinlich noch sehr lange begleiten wird.

 

Der W Trek im Torres del Paine Nationalpark

Torres del Paine Nationalpark



1. Der W Trek im Torres del Paine – Überblick zur berühmtesten Wanderung Patagoniens

Der W Trek gehört zu den bekanntesten Mehrtageswanderungen der Welt – und vermutlich zur berühmtesten Wanderroute in ganz Patagonien. Seinen Namen verdankt er seiner Form. Wenn man sich den Streckenverlauf auf der Karte anschaut, ergibt sich durch die drei markanten Täler tatsächlich ein großes W.

 

Die Route führt durch die spektakulärsten Bereiche des Parks:

  • vorbei an türkisfarbenen Gletscherseen,
  • durch offene Täler,
  • entlang der berühmten Cuernos del Paine,
  • bis zum Grey Gletscher
  • und natürlich zu den ikonischen Torres-Spitzen.

Die klassische Route ist ungefähr 67 Kilometer lang.

Je nachdem wie man sie plant, läuft man sie in 4 oder 5 Tagen.

Man wandert dabei von Camp zu Camp beziehungsweise von Refugio zu Refugio.

 

Der W Trek im Torres del Paine Nationalpark

Die Cuernos del Paine mit ihren markanten Farben sind das Wahrzeichen des Torres del Paine Nationalpark


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2. Ost nach West oder West nach Ost?

Grundsätzlich kann man den W Trek in beide Richtungen laufen.

 

West nach Ost - Start mit dem Catamaran von Pudeto nach Paine Grande

oder Ost nach West - Start beim Hotel Las Torres / Visitor Center

 

Wir haben uns für Ost nach West entschieden. Für uns war das logistisch deutlich entspannter.

 

Am ersten Morgen fährt man einfach mit dem Bus von Puerto Natales in den Nationalpark und startet direkt am Visitor Center los. Am letzten Tag endet der Trek dann mit dem Catamaran über den Lago Pehoé zurück nach Pudeto. Und genau das fanden wir ehrlich gesagt perfekt.

 

Nach fünf Tagen Wandern noch entspannt aufs Boot steigen zu können, auf dem Oberdeck zu sitzen und den Park langsam hinter sich zu lassen – schöner kann ein Abschluss kaum sein.

 

Der W Trek im Torres del Paine Nationalpark

 Die meisten machen die Wanderung von West nach Ost - mit den Torres als Highlight zum Schluss


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3. Camping oder Refugio – unsere Erfahrung

Beim W Trek gibt es verschiedene Möglichkeiten zu übernachten.

 

Man kann:

  • alles selbst tragen inklusive eigenem Zelt
  • nur mit eigenem Schlafsack reisen und Zelte vor Ort mieten
  • Zelt + Isomatte + Schlafsack buchen
  • im Refugio im Zimmer schlafen
  • Essen komplett selbst tragen
  • oder Frühstück und Abendessen vor Ort dazu buchen

Theoretisch klingt das erstmal flexibel.

 

Praktisch entscheidet am Ende aber vor allem eines: der Preis.

Und genau da wird Torres del Paine kompliziert. Ein aufgebautes Zelt mit Isomatte kostet teilweise um die 220 US-Dollar für zwei Personen pro Nacht. Ein Abendessen im Refugio rund 60 US-Dollar pro Person. Zimmer kosten nochmal deutlich mehr. Dazu Nationalparkgebühr, Bus, Catamaran, Shuttle, Ausrüstung, Snacks, Schlafsäcke.

 

Wir sagen es ehrlich: Torres del Paine ist wunderschön – aber teuer. Sehr teuer. Die teuerste Wanderung, die wir je gemacht haben. Und genau das war für uns während des Treks immer wieder ein Thema. Denn landschaftlich ist der Ort absolut spektakulär. Wirklich einer der schönsten Orte, die wir je gesehen haben.

 

Aber gleichzeitig hatten wir oft das Gefühl:

  • Hier wird inzwischen sehr konsequent aus Natur Geld gemacht.
  • Backpacker mit eigenem Zelt und Campingkocher scheinen kaum noch gewünscht.
  • Für eigene Zelte gibt es teilweise nur wenige Stellplätze – manchmal fünf oder sechs.
  • Daneben stehen 50-60 fertig aufgebaute Mietzelte.
  • Die Selbstkochbereiche sind klein, oft eng und wenig gemütlich.
  • Während die Essensbereiche der Refugios deutlich größer und komfortabler wirken.

Natürlich verstehen wir, dass Infrastruktur in so abgelegener Umgebung teuer ist. Aber vieles fühlte sich für uns schon sehr stark nach Tourismusmaschine an. Und das hat den Trek für uns an manchen Stellen etwas zwiegespalten gemacht.

 

Der W Trek im Torres del Paine Nationalpark

Refugio Chileno mit Zelten, die man mieten kann , im Hintergrund das Restaurant, für die die selbst kochen gibt es noch oben eine kleine Hütte


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4. Muss man für den Torres del Paine erfahren sein?

Unsere ehrliche Antwort: Nein – aber man sollte die Wanderung ernst nehmen. Für uns war es erst der dritte Mehrtagestrek überhaupt. Man muss also kein Profi sein.

 

Aber: man sollte wissen, worauf man sich einlässt. Patagonien kann gnadenlos sein. Das Wetter wechselt innerhalb weniger Minuten. Sonne. Regen. Schnee. Sturm. Manchmal alles gleichzeitig.

 

Die Wege sind nicht überall technisch schwierig – aber anstrengend. Mit schwerem Rucksack. Bei Wind. Mit Regen. Und teilweise viele Stunden ohne Infrastruktur unterwegs. Zwischen Refugios läuft man auch mal 15 Kilometer ohne Toiletten, ohne Rangerstation und ohne Hilfe. Wenn etwas passiert, ist man erstmal auf sich gestellt.

 

Deshalb:

  • gute Wanderschuhe
  • wetterfeste Kleidung
  • vernünftiger Rucksack
  • genug Essen
  • ausreichend Wasser
  • … und vor allem ein ehrlicher Blick auf die eigene Kondition sind wirklich wichtig.
Der W Trek im Torres del Paine Nationalpark

Wanderweg zum Grey Gletscher


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5. Unser wichtigster Tipp zum W Trek

Plant den Trek nicht nach dem Tempo anderer. Sondern nach eurem.

Das war für uns wahrscheinlich der wichtigste Punkt überhaupt.

Wir haben uns bewusst für 5 Tage entschieden.

 

Nicht weil wir es nicht schneller geschafft hätten. Sondern weil wir genießen wollten. Nie mehr als etwa 15 Kilometer pro Tag. Zeit für Pausen. Zeit für Fotos. Zeit zum Durchatmen. Zeit, einfach mal irgendwo zu sitzen und auf diese Landschaft zu schauen.

 

Unterwegs trifft man viele Leute, die 25 oder 30 Kilometer am Tag laufen. Und manchmal bekommt man fast das Gefühl, man müsse das auch so machen. Nach dem Motto: höher, weiter, schneller.

 

Aber darum geht es aus unserer Sicht überhaupt nicht. Es geht nicht darum, irgendwem etwas zu beweisen. Nicht darum, wer zuerst ankommt. Nicht darum, wer die meisten Kilometer macht. Sondern darum, draußen zu sein. Patagonien zu erleben. Diese Landschaft wirklich auf sich wirken zu lassen.

 

In eurem Tempo.

Mit euren Möglichkeiten.

Und wenn 15 Kilometer für euch reichen:

Dann reichen 15 Kilometer.

Denn am Ende ist es euer Abenteuer.

Und kein Wettkampf.

 

Der W Trek im Torres del Paine Nationalpark

Am ersten Tag ging es nur nach oben - mit dem schweren Rucksack wirklich anstrengend


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6. Was ist der O-Trek

Wem der W-Trek nicht genug ist, der kann ihn auch noch zum O-Trek erweitern. Das bedeutet man läuft vom Refugio Grey oder auf der anderen Seite von Chileno weiter richtung norden und dann in einem halbkreis rüber zur anderen seite bis man wieder auf den w-trek trifft.

 

Der O-Trek führt über Gletscher und durch wetterexponiertere teile des Nationalparks. Hier muss man dann wirklich alles an Ausrüstung mitnehmen, da es dann keine Zelte mehr zum mieten in den Refugios gibt. Im November 2025 kamen 5 Menschen auf dem O-Trek bei einem Blizzard ums leben, was zu dieser Zeit für viele Diskussionen und Spannungen geführt hat. Den Rangern wurde vorgeworfen ihr Arbeit nicht gemacht zu haben, diese werfen der Parkverwaltung vor schlecht bezahlt  und schlecht ausgerüstet zu sein. Auch nach dem Vorfall bliebt der O-Trek geschlossen und es gab viel Unmut von Seiten der Ranger bei der Wiedereröffnung. Unter dem Gesichtspunkt der Kosten für den Trek ist das alles unbegreiflich, da man ja denkt das die Gelder auch in die Ranger fließen müsste. Was wohl nicht so der Fall ist.

 

Den O-Trek würden wir nur erfahrenen anderen empfehlen, die wissen auf was sie sich einlassen und auch schon einmal solche Treks gemacht haben.

 

Der W Trek im Torres del Paine Nationalpark

Der O-Trek führt rechts am Grey Gletscher vorbei in unwegsameres Gelände


7. Unsere Route auf dem W Trek – 5 Tage durch Torres del Paine

Wir haben den W Trek in 5 Tagen von Ost nach West gemacht und würden es rückblickend genauso wieder planen. Die Route war für uns ein guter Mix aus Herausforderung und genug Zeit, um diese besondere Landschaft auch wirklich genießen zu können. Natürlich waren fünf Tage draußen mit Gepäck körperlich anstrengend – aber nie so, dass wir nur noch von Camp zu Camp „funktioniert“ hätten. Genau das war uns wichtig.

 

Unsere Route sah so aus:

  • Tag 1: Visitor Center → Camp Chileno + Mirador Base Torres
  • Tag 2: Camp Chileno → Refugio Frances
  • Tag 3: Refugio Frances → Paine Grande
  • Tag 4: Paine Grande → Grey Glacier
  • Tag 5: Grey → Paine Grande → Catamaran → Puerto Natales

Jeder Tag war komplett anders. Wetter, Landschaft, Stimmung – alles hat sich ständig verändert. Genau das macht Torres del Paine wahrscheinlich so besonders.

 

Der W Trek im Torres del Paine Nationalpark

Der erste Blick auf die Cuernos del Paine an Tag 2 des W-Trek

Tag 1 – Start in den Nationalpark & hinauf zu den Torres

Unser Trek begann früh. Sehr früh. Der Bus von Puerto Natales in den Nationalpark fuhr morgens um 6:45 Uhr. Gebucht hatten wir ihn vorab über recorrido.cl. Preislich lag er bei etwa 14.000 chilenischen Peso pro Person. Noch halb verschlafen saßen wir mit vielen anderen Wanderern im Bus – alle mit riesigen Trekkingrucksäcken, Regenjacken und diesem typischen Gesichtsausdruck irgendwo zwischen Vorfreude und Nervosität.

 

Während der Fahrt wurde langsam hell. Draußen zogen die patagonischen Ebenen vorbei, grauer Himmel, tiefhängende Wolken, Wind. Und irgendwann kamen die Berge näher.

 

Am Parkeingang mussten alle aussteigen, Tickets zeigen und einchecken. Der Eintritt für den Nationalpark ist inzwischen streng geregelt und muss vorab online gekauft werden. Für Aufenthalte ab vier Tagen hatten wir rund 46.200 CLP pro Person bezahlt.

Von dort ging es für uns mit dem Shuttle weiter zum Visitor Center beim Hotel Las Torres. Noch einmal 4.000 Peso pro Person, bar bezahlt direkt vor Ort.

 

Und dann standen wir plötzlich da. Rucksack auf dem Rücken. Regenjacke an. Mitten im Torres del Paine Nationalpark.

Monatelang hatten wir diese Wanderung geplant – und jetzt liefen wir tatsächlich los. Das erste Gefühl war eine Mischung aus riesiger Freude und ehrlichem Respekt. Denn der Weg beginnt direkt mit Anstieg. Vom Visitor Center geht es konstant bergauf Richtung Refugio Chileno – und zwar nicht nur ein bisschen. Schon nach kurzer Zeit merkten wir das Gewicht des Rucksacks ordentlich. Obwohl wir vergleichsweise wenig dabeihatten, fühlte sich alles plötzlich schwer an. Kleidung, Kamera, Technik, Snacks, Frühstück, Schlafsäcke – erstaunlich, wie viel Gewicht zusammenkommt.

 

Ich weiß noch genau, dass ich mich relativ früh fragte: „Wie soll ich das bitte fünf Tage lang machen?“ Gleichzeitig war der erste Eindruck der Landschaft einfach überwältigend. Diese raue Bergwelt. Die schroffen Felsen. Das wechselhafte Licht. Und immer wieder diese türkisfarbenen Seen, die plötzlich zwischen den Bergen auftauchen. Je höher wir kamen, desto spektakulärer wurde es.

 

Am Camp Chileno angekommen waren wir ehrlich gesagt erstmal froh, den Rucksack absetzen zu können. Hier hatten wir unser Zelt reserviert – inklusive Isomatte. Kein Luxus, aber definitiv stabil gebaut und vor allem windfest. Gerade in Patagonien ist das Gold wert. Das Zelt war überraschend geräumig und gemütlicher als erwartet.

 

Nach einer kurzen Pause ging es am Nachmittag weiter zum Highlight des Tages: dem Aufstieg zum Mirador Base Torres. Bis spätestens 14 Uhr muss man den Kontrollpunkt passiert haben – danach wird der letzte Abschnitt gesperrt. Der finale Anstieg hat es nochmal richtig in sich. Es geht steil nach oben – teilweise über loses Geröll, Felsen und ein trockenes Flussbett, das bei Regen auch schnell wieder Wasser führen kann. Bei uns lag oben sogar noch Schnee. Je höher wir kamen, desto eisiger wurde der Wind.

Es schneite. Und gleichzeitig kämpften sich alle weiter nach oben. Anstrengend? Ja. Aber absolut machbar.

 

Und dann standen wir plötzlich oben. Vor den Torres. Dem Wahrzeichen des Parks. Drei massive Granittürme, die sich direkt aus dem Bergkessel erheben. Und trotz des Wetters konnten wir sie tatsächlich sehen. Was nicht selbstverständlich ist – denn oft liegen sie komplett in den Wolken. Umso größer war unser Glück. Nach all den Jahren standen wir wirklich dort. Windzerzaust.

Durchgeschwitzt. Völlig erledigt. Und unglaublich glücklich.

 

Danach ging es zurück ins Camp Chileno, wo ein überraschend gutes Abendessen auf uns wartete – frisch gekocht und wirklich lecker. Nach diesem ersten Tag fielen wir ziemlich müde ins Zelt. Die erste Nacht draußen war kalt – aber gut. Und irgendwo zwischen Windgeräuschen am Zeltdach und völliger Erschöpfung schliefen wir schnell ein.

 

Etappe Tag 1:

  • 16 km
  • 987 Höhenmeter
  • Übernachtung: Camp Chileno

Tag 2 – Zwischen Seen, Blumenwiesen und den Cuernos del Paine

Der zweite Tag begann komplett anders als der erste. Als wir morgens das Zelt öffneten, war plötzlich blauer Himmel über Patagonien. Sonne. Deutlich bessere Sicht. Und sofort war klar: Heute wird ein besonderer Wandertag.

 

Von Camp Chileno liefen wir zunächst ein Stück des bekannten Weges zurück, bevor wir Richtung Refugio Francésabbogen.

Schon früh auf der Strecke begleiteten uns diese unglaublich intensiv türkisfarbenen Seen, für die Torres del Paine so bekannt ist. Links das leuchtende Wasser. Rechts schroffe Berggipfel. Unterwegs immer wieder Blumenwiesen und offene Landschaft.

Es war einer dieser Wandertage, an denen man ständig stehen bleibt. Für Fotos. Oder einfach nur zum Schauen.

 

Der Wind war natürlich wieder da – Patagonien wäre nicht Patagonien ohne Wind – aber deutlich angenehmer als am Vortag. Es war wärmer, sonniger und insgesamt einfach ein perfekter Trekkingtag. Und irgendwann passierte genau dieser Moment. Wir kamen um eine Kurve. Und plötzlich standen sie vor uns: die Cuernos del Paine. Diese markanten Felsspitzen mit ihren zwei unterschiedlichen Gesteinsschichten – dunkel und hell – wahrscheinlich das bekannteste Motiv des gesamten Parks. Das Bild, das man schon hundertmal gesehen hat. Und dann plötzlich in echt. Mit blauem Himmel. Und genau in diesem Moment wussten wir wieder, warum wir hier sind. Katja war komplett glücklich.

 

Nach einer längeren Pause, unzähligen Fotos und ziemlich viel Staunen ging es weiter Richtung Refugio Frances. Die letzten Kilometer zogen sich ordentlich. Die Füße wurden schwer. Die Schultern noch schwerer. Und langsam merkten wir die Kilometer vom Vortag. Als wir am Abend schließlich ankamen, waren wir ziemlich durch. Schnell ins Zelt. Kurz ausruhen.

 

Dann Abendessen. Und hier begann eine Geschichte, über die wir heute noch lachen müssen: der vermutlich teuerste Kartoffelbrei unseres Lebens. Für rund 60 US-Dollar pro Person bekamen wir Kartoffelpüree und Fischbouletten aus einem Pappkarton serviert. Und ja… es schmeckte ungefähr genauso, wie es klingt. Es war mit Abstand unser kulinarischer Tiefpunkt des Treks – und wahrscheinlich gleichzeitig einer unserer lustigsten Reise-Momente. Wir nahmen es mit Humor. Denn wenn man schon für Kartoffelbrei ein kleines Vermögen bezahlt, dann wenigstens mit guter Geschichte für später.

 

Etappe Tag 2:

  • 17 km
  • 494 Höhenmeter
  • Übernachtung: Refugio Frances

Tag 3 – Paine Grande bei Regen: Aus dem W wird ein U

Der dritte Tag begann leider genauso, wie man es sich in Patagonien eigentlich nicht wünscht: mit Regen. Und zwar nicht mit ein paar Tropfen. Sondern mit richtig viel Regen. Schon morgens prasselte es aufs Zelt, und spätestens beim Frühstück war klar: Das wird heute nass.

 

Eigentlich hatten wir für diesen Tag etwas anderes geplant. Ursprünglich wollten wir von Refugio Francés weiter Richtung Paine Grande wandern – inklusive Abstecher ins Valle Francés bis zum Mirador Británico. Dieser Abschnitt bildet den mittleren Strich des berühmten „W“ und gehört für viele zu den schönsten Aussichtspunkten des gesamten Treks. Mit Blick auf Gletscher, Berge und das Tal. Zumindest theoretisch. Praktisch sahen wir an diesem Morgen vor allem Regen. Wolken. Nebel. Und kaum Sicht. Relativ schnell war klar: Der Abstecher lohnt sich heute einfach nicht. 14 zusätzliche Kilometer für Aussicht, die wir vermutlich nicht sehen würden – das fühlte sich weder sinnvoll noch motivierend an.

 

Also trafen wir spontan die Entscheidung, den Mirador Británico auszulassen. Und machten aus unserem W Trek für einen Tag eher einen U Trek. Manchmal muss man sich in Patagonien einfach dem Wetter anpassen. Also Regenponchos übergeworfen, Rucksack aufgesetzt und los. Die nächsten Stunden waren… sagen wir herausfordernd.

 

Im strömenden Regen liefen wir Richtung Paine Grande. Der Wind drückte gegen die Ponchos, Regen kam gefühlt von allen Seiten gleichzeitig und immer wieder mussten wir lachen, weil man irgendwann gar nicht mehr weiß, ob man noch versucht trocken zu bleiben – oder längst aufgegeben hat. Regenjacke unter Poncho. Kapuze tief ins Gesicht. Nasse Hosen. Nasse Schuhe. Nasse Hände. Patagonien in voller Konsequenz. Trotzdem hatte dieser Tag auch etwas. Irgendwann kommt man in so einen Modus, in dem man einfach läuft. Nicht mehr viel nachdenkt. Sondern einfach akzeptiert: Es regnet jetzt. Also laufen wir im Regen.

 

Nach etwa drei Stunden kamen wir schließlich im Refugio Paine Grande an – zusammen mit gefühlt hunderten anderen komplett durchnässten Wanderern. Drinnen saßen überall Menschen in Regenkleidung, nassen Wanderschuhen und mit heißen Getränken in der Hand. Rucksäcke standen überall herum, Kleidung hing zum Trocknen über Geländern, alle warteten aufs Einchecken. Dieses Bild werden wir nicht vergessen. Ein Refugio voller völlig erschöpfter, nasser Menschen, die einfach nur irgendwo warm sitzen wollten.

 

Ab 14 Uhr konnten wir endlich ins Zelt. Hier waren die Zelte etwas kleiner als zuvor – dafür günstiger. Nach dem Regen war uns das aber ziemlich egal. Hauptsache trocken. Am Abend gab es Buffet – und das war nach dem Tag ehrlich gesagt genau das Richtige. Warm. Viel. Und wirklich lecker. Ein deutlicher Kontrast zum Kartoffelbrei vom Vorabend.

 

Etappe Tag 3:

  • 9 km
  • 245 Höhenmeter
  • Übernachtung: Paine Grande

Tag 4 – Wanderung zum Grey Glacier

Nach dem Regen vom Vortag begann Tag vier zumindest trocken. Das allein fühlte sich schon wie Luxus an. Zwar blies der Wind weiterhin ordentlich – wie eigentlich immer in Patagonien – aber wenigstens kam diesmal kein Regen von oben. Unser Ziel für diesen Tag war der Grey Glacier. Für viele eines der großen Highlights im Nationalpark – und für uns definitiv auch.

 

Von Paine Grande wanderten wir Richtung Norden entlang des Lago Grey. Schon früh öffnet sich der Blick auf den riesigen See, dessen Wasser je nach Licht fast surreal türkis leuchtet. Dahinter dann irgendwann der Grey Gletscher. Eine wirklich beeindruckende Kulisse. Die Strecke dorthin fanden wir landschaftlich großartig.

 

Teilweise läuft man relativ exponiert entlang der Hänge. Unter einem der See. Vor einem die Berge. Und irgendwo am Horizont taucht plötzlich das Eis des Gletschers auf. Gleichzeitig war das auch einer der windigsten Abschnitte des gesamten Treks.

Teilweise kam der Wind so stark von der Seite, dass wir uns wirklich dagegenlehnen mussten. An Fotografieren war da manchmal kaum zu denken. Oder an entspannt irgendwo stehen bleiben. Immer wieder stemmten wir uns gegen Böen, zogen Kapuzen enger und liefen weiter.

 

Trotzdem: landschaftlich absolute Spitzenklasse. Am Nachmittag kamen wir schließlich beim Refugio Grey an.

Von dort sind es nur noch wenige Minuten bis zum Aussichtspunkt auf den Gletscher. Und dann lag er plötzlich vor uns. Der Grey Gletscher war für uns eines der schönsten Erlebnisse des gesamten Treks. Diese riesigen Eismassen zwischen Bergen und Wasser wirken unglaublich beeindruckend – fast unwirklich. Wir blieben lange dort. Schauten. Machten Fotos. Und versuchten den Moment einfach ein bisschen festzuhalten.

 

Am Abend gab es wieder Abendessen im Refugio – danach fielen wir ziemlich müde ins Zelt.

 

Etappe Tag 4:

  • 12 km
  • 369 Höhenmeter
  • Übernachtung: Refugio Grey

Tag 5 – Letzter Trekkingtag & Abschied von Torres del Paine

Am letzten Morgen hieß es ein letztes Mal: Zelt öffnen. Rucksack packen. Schlafsack verstauen. Fünf Tage draußen vergehen gleichzeitig unglaublich langsam – und viel zu schnell.

 

Unser letzter Wandertag führte uns zurück nach Paine Grande. Viele laufen die Strecke zum Grey Glacier als Tageswanderung von Paine Grande hin und zurück an einem einzigen Tag. Wir waren sehr froh, es entspannter auf zwei Tage verteilt zu haben. So konnten wir die Strecke auf dem Rückweg nochmal ganz anders erleben – ohne Zeitdruck, ohne möglichst schnell irgendwo ankommen zu müssen.

 

Wir ließen uns Zeit. Schauten nochmal zurück Richtung Gletscher. Noch einmal auf den See. Noch einmal auf die Berge. Noch einmal Patagonien einsaugen.

 

In Paine Grande angekommen wartete schließlich der Catamaran zurück nach Pudeto – unser offizieller Abschied vom Park.

Den Catamaran hatten wir vorab gebucht. Preislich lag er bei 30.000 chilenischen Peso pro Person. Wichtig: Man muss eine feste Uhrzeit reservieren und gerade beliebte Abfahrten sind schnell ausgebucht. Die Überfahrt selbst war für uns nochmal ein echtes Highlight. Wir konnten oben auf dem Deck sitzen – bei überraschend gutem Wetter.

 

Und genau hier hatten wir plötzlich den Blick, den man auf vielen berühmten Fotos des Parks kennt: das gesamte Torres-del-Paine-Massiv auf einmal. Breit vor uns. Komplett sichtbar. Im Licht.  Diesen ikonischen Blick bekommt man während der Wanderung selbst oft gar nicht. Sondern tatsächlich erst vom Wasser aus. Ein perfekter letzter Moment.

 

Von Pudeto ging es dann wieder mit dem Bus zurück nach Puerto Natales. Staubig. Müde. Mit schweren Beinen. Und gleichzeitig unglaublich glücklich. 67 Kilometer lagen hinter uns. Fünf Tage draußen. Vier Nächte im Zelt.

 

Und ein Lebenstraum weniger auf der Bucketlist.

 

Etappe Tag 5:

  • 7 km
  • 152 Höhenmeter
  • Gehzeit ca. 1,5 Stunden

8. Was kostet der W Trek im Torres del Paine?

Bevor wir den Trek gebucht haben, hatten wir immer wieder gelesen: „Torres del Paine ist wunderschön – aber teuer.“ Nach unserer Reise würden wir sagen: Ja – das stimmt leider.

 

Der W Trek gehört definitiv nicht zu den günstigsten Mehrtageswanderungen in Südamerika. Vor allem, wenn du – wie wir – Zeltplätze, Verpflegung oder Mietausrüstung über die Camps buchst, summiert sich das ziemlich schnell. Gleichzeitig muss man aber auch sagen: Die gesamte Infrastruktur dort mitten im Nationalpark ist beeindruckend. Essen, Unterkünfte, Zelte, Transport, Material – all das muss irgendwo mitten in Patagonien organisiert werden. Und genau das merkt man am Preis.

 

Damit du ein Gefühl dafür bekommst, hier unsere Kostenübersicht für den W Trek im Dezember:

  • Eintritt Torres del Paine Nationalpark: ca. 46.200 CLP pro Person für mehrtägigen Aufenthalt
  • Bus Puerto Natales → Torres del Paine → zurück: ca. 14.000 CLP pro Strecke pro Person
  • Shuttle Laguna Amarga → Hotel Las Torres: ca. 4.000 CLP pro Person
  • Catamaran Paine Grande → Pudeto: ca. 30.000 CLP pro Person
  • Campingplätze / Refugios: Je nach Unterkunft sehr unterschiedlich
    • eigener Zeltplatz am günstigsten
    • Stellplatz + eigenes Equipment mittleres Budget
    • aufgebautes Zelt deutlich teurer
    • Refugio Bett meist am teuersten
  • Essen in den Camps:
    • Frühstück, Lunchbox und Abendessen können dazugebucht werden – praktisch, aber teuer.
    • Unser legendärer Kartoffelbrei-Abend im Frances bleibt jedenfalls unvergessen.

Wenn du möglichst günstig unterwegs sein möchtest, lohnt sich definitiv:

  • eigenes Zelt
  • eigener Kocher
  • Essen selbst mitbringen

Wer komfortabler reisen möchte, spart dafür Gewicht im Rucksack – zahlt aber deutlich mehr. 

Nachfolgend noch einmal all unsere Ausgaben für den W-trek in einer übersichtlichen Tabelle:

Der W Trek im Torres del Paine Nationalpark

9. Packliste für den W Trek – was wir dabeihatten

Vor dem W Trek haben wir wahrscheinlich mehr Zeit mit Packen, Umräumen, Aussortieren und wieder Neu-Packen verbracht als mit fast allem anderen in Puerto Natales.

  • Was braucht man wirklich für fünf Tage Trekking in Patagonien?
  • Was kann zuhause bleiben?
  • Was wird unterwegs Gold wert?
  • Und was schleppt man am Ende völlig umsonst mit?

Gerade beim W Trek ist das Packen immer ein kleiner Spagat: Du willst möglichst wenig Gewicht tragen – aber gleichzeitig auf Sonne, Regen, Sturm, Kälte und notfalls Schnee vorbereitet sein. Und davon hatten wir tatsächlich alles.

 

Hier kommt deshalb unsere persönliche Packliste für den W Trek – mit den Dingen, die für uns wirklich wichtig waren.

 

Wanderschuhe – unbedingt gute und möglichst wasserdichte

Das wahrscheinlich wichtigste überhaupt. Wenn es einen Ausrüstungsgegenstand gibt, bei dem wir nicht sparen würden, dann sind es definitiv die Wanderschuhe. Die Wege im Torres del Paine wechseln ständig zwischen Schotter, Steinen, Geröll, Erde, Wurzeln und teilweise Matsch – je nachdem, wie das Wetter gerade mitspielt. Dazu kommt Regen, Wind und teilweise Schnee oder Wasser auf den Wegen. Wasserdichte Schuhe sind deshalb aus unserer Sicht absolut sinnvoll.

Bei Nico war das Thema Schuhe sogar akut: Seine alten Wanderschuhe hatten wenige Tage vorher in El Chaltén endgültig aufgegeben – also mussten in Puerto Natales spontan neue her. Zum Glück gibt es dort einige richtig gute Outdoorläden.

Im Nachhinein: sehr gute Entscheidung.

 

Regenjacke – Pflicht in Patagonien

Ohne Regenjacke würden wir im Torres del Paine nicht loslaufen. Wirklich nicht. Das Wetter in Patagonien wechselt teilweise innerhalb von Minuten. Sonne, Regen, Wind und wieder Sonne – alles direkt hintereinander. Ein Poncho geht theoretisch natürlich auch und viele waren damit unterwegs. Wir persönlich fanden Ponchos bei dem patagonischen Wind aber eher schwierig. Sobald Wind aufkommt – und das tut er fast immer – wird aus dem Poncho schnell ein Segel. Kann funktionieren.

Kann aber auch ziemlich anstrengend werden. Mit einer guten Regenjacke haben wir uns deutlich wohler gefühlt.

 

Daunenjacke – selbst im Sommer sinnvoll

Auch wenn Dezember bis Februar offiziell Sommer in Patagonien ist: Warm heißt hier nicht automatisch warm. Gerade morgens und abends kann es richtig kalt werden. Nachts lagen die Temperaturen bei uns teilweise nur knapp über null Grad – stellenweise eher so 0 bis 5 Grad. Besonders wenn Wind dazukommt, fühlt es sich schnell deutlich kälter an. Eine leichte Daunenjacke war deshalb für uns jeden Tag im Einsatz – morgens beim Frühstück, abends vor dem Zelt und zwischendurch bei Pausen sowieso.

 

Wechselwäsche – so viel, wie ihr persönlich braucht

Das Thema ist ehrlich gesagt sehr individuell. Manche laufen fünf Tage mit einem Shirt durch und sagen völlig zurecht: egal.

Andere möchten sich abends gern frisch umziehen. Am Ende kommt es ganz darauf an, wie komfortabel oder rustikal ihr euren Trek angehen wollt – und wie ihr danach riechen möchtet. Wir hatten Wechselwäsche dabei – aber bewusst reduziert. Denn jedes zusätzliche Shirt trägt man eben auch fünf Tage auf dem Rücken.

 

Stirnlampe – hilfreich, aber kein Muss

Eine Stirnlampe fanden wir praktisch – vor allem abends.

Zum Beispiel:

  • nachts auf dem Weg zur Toilette
  • im Zelt
  • morgens beim Packen
  • oder wenn man abends noch kurz draußen unterwegs ist

Im Zelt war sie besonders praktisch, weil man sie einfach oben aufhängen konnte und dann Licht hatte.

Ganz ehrlich: Wenn du keine Stirnlampe hast, reicht zur Not auch das Handylicht. Aber angenehmer war die Stirnlampe definitiv.

 

Trekkingstöcke – Geschmackssache

Beim Thema Trekkingstöcke scheiden sich wahrscheinlich die Geister. Viele schwören darauf. Wir eher nicht. Wir wissen: Für Knie, Balance und bergab kann das sehr hilfreich sein. Für uns persönlich sind Trekkingstöcke aber einfach nicht unser Ding.

 

Was uns im Torres del Paine tatsächlich überrascht hat: Gefühlt läuft dort jeder Zweite mit Trekkingstöcken. Und zwar wirklich sehr viele Menschen, die diese vermutlich zum ersten Mal im Leben in der Hand hatten. Dadurch entstehen teilweise… interessante Situationen. Plötzlich sind Menschen doppelt so breit auf dem Trail. Stockspitzen kommen dir entgegen. Oder jemand schwingt sie dir fast auf Augenhöhe ins Gesicht. Für uns war das ehrlich gesagt manchmal anstrengender als hilfreich. Wer Stöcke gewohnt ist und gerne nutzt: mitnehmen. Wer sie nicht mag: aus unserer Sicht absolut verzichtbar.

 

Schlafsack – je nach Jahreszeit passend auswählen

Je nachdem, wann du den Trek machst, solltest du beim Schlafsack genau auf den Temperaturbereich achten. Auch im Sommer wird es nachts kalt. Gerade in Zelten kühlt es schnell aus. Wir hatten unsere Schlafsäcke in Puerto Natales gemietet – das hat für uns super funktioniert. Wichtig ist einfach, vorher zu prüfen, für welche Temperaturen der Schlafsack wirklich geeignet ist. Denn frierend schläft es sich in Patagonien eher mittelgut.

 

Snacks – unbedingt vorher in Puerto Natales kaufen

Ein ganz klarer Tipp von uns: Snacks vorher in Puerto Natales besorgen. Im Nationalpark selbst wird es teuer – und die Auswahl ist sehr begrenzt.

Wir hatten dabei:

  • Schokolade
  • Müsliriegel
  • Nüsse
  • Äpfel
  • kleine Snacks für unterwegs

Gerade auf langen Etappen war das Gold wert. Und manchmal ehrlich gesagt auch Motivation.

 

Wasserfilter – optional, aber für uns beruhigend

Unterwegs gibt es im Torres del Paine immer wieder Flüsse und Bäche, direkt aus den Bergen. Viele sagen: Das Wasser kann man problemlos trinken. Und tatsächlich haben wir viele gesehen, die ihre Flaschen einfach direkt aufgefüllt haben. Wir hatten trotzdem einen UV-Sterilisator dabei. Weniger, weil wir dem Wasser grundsätzlich misstraut hätten – sondern einfach, um auf Nummer sicher zu gehen. Gerade bei mehreren Tagen Trekking wollten wir kein Risiko eingehen.

 

Kamera – unbedingt mitnehmen

Wenn du gerne fotografierst: unbedingt. Wirklich unbedingt. Die Landschaft im Torres del Paine ist einfach absurd fotogen. Türkisfarbene Seen. Gletscher. Berge. Lichtstimmungen. Wildlife. Wir haben unterwegs ständig Fotos gemacht – und selbst dann das Gefühl gehabt, die Landschaft nie richtig einfangen zu können.

 

Powerbank – für uns unverzichtbar

Eine Powerbank würden wir immer wieder mitnehmen. Ja – theoretisch kannst du in vielen Refugios Geräte laden. Aber: Die Steckdosen sind oft voll. Alle laden gleichzeitig. Und manchmal liegt das Handy dann irgendwo zwischen 20 anderen Geräten herum. Da hofft man dann einfach, dass später noch alles da ist. Mit Powerbank bist du deutlich entspannter unterwegs – gerade für:

  • Handy
  • Kamera-Akkus
  • Stirnlampe
  • GPS / Navigation
  • Kopfhörer

Für uns definitiv unverzichtbar.

 


10. Camping auf dem W Trek – unsere Erfahrung mit Zelt, Campsites & Refugios

Vor unserer Wanderung war das Thema Übernachtung tatsächlich einer der Punkte, über die wir am meisten nachgedacht haben. Nicht nur, weil der W Trek inzwischen unglaublich früh ausgebucht ist – sondern auch, weil man sich irgendwann entscheiden muss:

  • Eigenes Zelt mitbringen oder unterwegs mieten?
  • Selbst kochen oder Essen dazubuchen?
  • Wie viel Komfort möchte ich – und wie viel Gewicht möchte ich tragen?

Nachdem wir den Trek inzwischen selbst gelaufen sind, würden wir sagen: Es gibt hier nicht die eine perfekte Lösung – aber definitiv Dinge, die man vorher wissen sollte. Was uns bei der Planung ziemlich schnell aufgefallen ist: Wer mit eigenem Zelt unterwegs ist und möglichst günstig campen möchte, scheint im Buchungssystem ehrlich gesagt eher nicht die bevorzugte Zielgruppe zu sein.

 

Fast alle Refugios bieten zwar Stellplätze für eigene Zelte an – davon aber meist nur sehr wenige. Teilweise waren das gefühlt vielleicht fünf oder sechs Plätze pro Camp. Dem gegenüber stehen oft dutzende bereits aufgebaute Mietzelte – teilweise fünfzig oder mehr. Diese stehen fertig aufgebaut auf Holzplattformen oder festen Stellflächen und warten nur darauf, dass man am Abend hineinschlüpft.

 

Und ganz ehrlich: Wir konnten absolut verstehen, warum das so beliebt ist. Nach einem langen Wandertag mit schwerem Rucksack einfach anzukommen, den Rucksack abzustellen und direkt in ein bereits aufgebautes Zelt zu kriechen, hat schon sehr viel für sich. Kein Zeltaufbau im Wind. Kein Hantieren mit Heringen bei Regen. Kein Überlegen, ob das Zelt der nächsten Nacht auch wirklich den patagonischen Böen standhält. Gerade in Torres del Paine, wo der Wind wirklich extrem werden kann, war das für uns definitiv angenehm. Die Zelte waren stabil aufgebaut, wetterfest und sichtbar dafür gemacht, dem patagonischen Wetter jeden Tag aufs Neue zu trotzen.

 

Was wir allerdings jedem wirklich ans Herz legen würden: Früh buchen. Wirklich früh. Wenn du eine bestimmte Route laufen möchtest, ein Wunschdatum hast oder genau weißt, welche Ausstattung du buchen willst – dann möglichst früh.

Aus unserer Erfahrung eher: 9 Monate vorher. Wir hatten im Juni nach Unterkünften für Dezember und Januar geschaut – also ein halbes Jahr vorher – und selbst da war überraschend viel bereits weg.

 

Gerade Kombinationen über mehrere Nächte hintereinander waren teilweise kaum noch verfügbar. Um unsere fünf Tage überhaupt so laufen zu können, wie wir sie geplant hatten, mussten wir deshalb schon flexibel werden. Eigentlich hätten wir gerne überall Zelt inklusive Isomatte und Schlafsack gebucht – also wirklich komplett ausgestattet ohne zusätzliches Gepäck.

Das war aber auf unserer Route nicht mehr überall verfügbar. Deshalb haben wir uns am Ende entschieden, den Schlafsack separat in Puerto Natales auszuleihen und selbst mitzunehmen. Zelt und Isomatte waren gestellt – den Schlafsack haben wir dann fünf Tage mitgetragen. Nicht unbedingt leicht. Aber immer noch besser, als gar keine passenden Plätze mehr zu bekommen.

 

Der W Trek im Torres del Paine Nationalpark

11. Essen auf dem W Trek – unsere Erfahrung

Auch beim Thema Verpflegung hatten wir uns vorher viele Gedanken gemacht. Denn Essen im Nationalpark ist… sagen wir mal… nicht günstig. Die gute Nachricht zuerst: In jedem Refugio gibt es kostenlos heißes Wasser. Und das macht vieles deutlich einfacher.

 

Für uns war das perfekt, weil wir morgens fast immer Porridge gefrühstückt haben. Einfach Haferflocken mitnehmen, dazu etwas Milchpulver, Nüsse oder Rosinen – heißes Wasser drauf und fertig. Warm, schnell gemacht, macht satt und ist super leicht zu transportieren. Gerade morgens vor dem Loswandern fanden wir das ideal. Auch Tee oder Instantkaffee lassen sich damit natürlich problemlos machen.

 

Für den restlichen Tag hatten wir Snacks dabei – Müsliriegel, Schokolade, Nüsse und Obst – alles vorher im Supermarkt in Puerto Natales gekauft.

 

Beim Abendessen haben wir uns bewusst für etwas mehr Komfort entschieden und fast überall das Abendessen direkt im Refugio dazugebucht. Ja – das ist teuer. Teilweise wirklich absurd teuer. Aber nach einem langen Wandertag irgendwo warm zu sitzen und nicht mehr selbst kochen zu müssen, war es uns das wert. Und ehrlicherweise war das Essen – bis auf unseren legendären Kartoffelbrei im Pappkarton – wirklich überraschend gut. Warm. Frisch. Und meistens genau das Richtige nach vielen Kilometern auf dem Trail.

 

Alternativ gibt es in Puerto Natales auch viele fertige Trekking-Mahlzeiten zu kaufen, bei denen du nur noch heißes Wasser hinzufügen musst. Die kosten allerdings meist auch schnell zwischen 10 und 15 Euro pro Portion – also ebenfalls nicht ganz günstig.

 

Noch günstiger wird es mit eigenem Campingkocher und selbst mitgebrachten Lebensmitteln wie Nudeln, Couscous oder Reis.

Das machen viele so. Gekocht werden darf allerdings nur an den dafür vorgesehenen Kochplätzen – meistens in kleinen Campingküchen bei den Refugios. Ganz ehrlich: Gemütlich fanden wir diese Küchen eher nicht. Es war oft eng, voll, laut und teilweise leider auch ziemlich dreckig. Wobei das weniger an den Camps selbst lag – sondern eher daran, wie manche Leute die Küchen hinterlassen haben.

 

Ganz anders war unser Eindruck von den Refugios selbst: Die Essensräume waren bei uns durchweg sauber, ordentlich und sehr gut organisiert.

 


12. Shops, Duschen & Toiletten in den Camps

Was uns positiv überrascht hat: Jedes Camp hatte einen kleinen Shop.

Dort bekommst du je nach Refugio Dinge wie:

  • Wasser
  • Softdrinks
  • Bier
  • Snacks
  • Chips
  • Schokolade
  • teilweise Instantnudeln oder Suppen

Gerade in Paine Grande war die Auswahl überraschend groß – dort gab es sogar Nudelsuppen und verschiedene warme Kleinigkeiten. Natürlich alles nicht günstig – aber praktisch, wenn man unterwegs doch noch etwas braucht oder plötzlich Lust auf Chips nach 20 Kilometern bekommt.

 

Auch die sanitären Anlagen waren besser als erwartet. Jedes Refugio verfügte über ausreichend Toiletten und Duschen.

Die Duschen waren bei uns tatsächlich überall heiß – was nach einem langen Wandertag unglaublich angenehm sein kann. Allerdings: Ein Wellness-Erlebnis darf man nicht erwarten. Viele Sanitärbereiche sind nicht komplett geschlossen gebaut oder zumindest nicht perfekt isoliert. Und sobald der patagonische Wind dort durchzieht, kann es vor allem nach dem Duschen ziemlich kalt werden. Heißes Wasser gab es. Gemütlich war es trotzdem eher selten. Aber nach mehreren Wandertagen fühlt sich selbst eine schnelle warme Dusche dort plötzlich ziemlich luxuriös an.

 

Unterm Strich fanden wir das Camping auf dem W Trek deutlich komfortabler als erwartet – wenn man weiß, worauf man sich einlässt. Es bleibt Camping. Mit Wind. Mit Wetter. Mit Gemeinschaftsküchen. Mit einfachen Sanitäranlagen.

 

Der W Trek im Torres del Paine Nationalpark

13. W Trek buchen – unsere Tipps zur Planung

Wenn du anfängst, den W Trek im Torres del Paine zu planen, kann das am Anfang ehrlich gesagt erstmal ziemlich überwältigend wirken. Zumindest ging es uns so. Denn sobald man sich einliest, tauchen plötzlich viele Fragen gleichzeitig auf:

  • Wo buche ich die Camps?
  • Wie funktioniert das mit den Refugios?
  • Welche Route ist sinnvoll?
  • Wo reserviere ich Essen?
  • Wann muss ich buchen?
  • Wie kommt man überhaupt in den Nationalpark?
  • Brauche ich Shuttle, Bus oder Catamaran extra?

Und genau das war vor ein paar Jahren tatsächlich noch deutlich komplizierter als heute. Früher musste man sich alles mühsam selbst zusammensuchen. Je nachdem, in welchem Camp du übernachten wolltest, lief die Buchung über unterschiedliche Betreiber. Das bedeutete oft: mehrere Webseiten öffnen, Verfügbarkeiten vergleichen, einzelne Nächte zusammensuchen und hoffen, dass am Ende alles irgendwie zusammenpasst. Gerade wenn man mehrere Nächte hintereinander buchen wollte, muss das wirklich aufwendig gewesen sein. Zum Glück ist das heute deutlich einfacher geworden.

 

Wie weit im Voraus sollte man den W Trek buchen?

Unser klarer Tipp: So früh wie möglich. Wenn du flexibel reisen kannst, bekommst du sicher auch mal kurzfristig noch etwas. Wenn du aber ein festes Reisedatum hast oder eine bestimmte Route laufen möchtest, würden wir definitiv empfehlen:

mindestens 6 bis 9 Monate vorher buchen. Eher früher als später.

 

Wir haben im Juni nach Unterkünften für Dezember beziehungsweise Januar geschaut – also ungefähr sechs Monate vorher – und waren ehrlich gesagt überrascht, wie viel bereits ausgebucht war.

Gerade bestimmte Camps oder komplette Kombinationen über mehrere Nächte waren teilweise kaum noch verfügbar.

Je näher die Hauptsaison rückt, desto schwieriger wird es.

 

Wenn du also:

  • eine bestimmte Laufrichtung möchtest
  • dein Wunschdatum fest geplant ist
  • du lieber im aufgebauten Zelt statt mit eigenem Zelt schlafen möchtest
  • oder Essen dazubuchen willst

…dann lohnt sich frühes Planen absolut.

 

Über welche Plattform haben wir den W Trek gebucht?

Wir haben unseren kompletten Trek über TorresHike gebucht – und würden das genauso wieder machen. Für uns war das mit Abstand die entspannteste Lösung. Das Gute an TorresHike ist, dass du dort den gesamten Trek aus einer Hand planen kannst.

Du stellst dir deine Route individuell zusammen und kannst direkt auswählen:

  • welche Richtung du laufen möchtest
  • wo du übernachten willst
  • ob eigenes Zelt oder aufgebautes Zelt
  • Refugio oder Camping
  • ob du Frühstück, Lunchbox oder Abendessen dazubuchen möchtest

Dadurch bekommt man direkt einen guten Überblick darüber, was verfügbar ist – und was nicht. Das hat uns enorm geholfen. Auch die Nationalparkgebühr konnten wir dort direkt mit bezahlen, was super praktisch war. So war zumindest der wichtigste Teil der Planung direkt erledigt.

 

Transport im Nationalpark – Bus, Shuttle & Catamaran

Die Transporte konnte ich bei der ersten Buchung über TorresHike noch nicht direkt auswählen. Das habe ich deshalb zunächst separat organisiert. Etwa zwei Wochen nach unserer Buchung kam dann aber nochmal eine Mail von TorresHike mit der Möglichkeit, auch die Transporte passend zur Route dazuzubuchen. Das fanden wir richtig hilfreich.

 

Dort war genau aufgelistet:

  • welchen Bus man für den Hinweg braucht
  • ob ein Shuttle im Park nötig ist
  • wann der Catamaran sinnvoll ist
  • welche Verbindung zur eigenen Route passt

Dadurch konnten wir ganz einfach prüfen, was wir bereits organisiert hatten – und was noch fehlte. Gerade wenn man den Trek zum ersten Mal plant, nimmt das viel Unsicherheit raus.

 

Schlafsack & Campingausrüstung mieten – unsere Erfahrung

Schlafsack und Campingausrüstung haben wir zusätzlich vorab separat über Rental Natales reserviert.

Das hat für uns problemlos funktioniert. Die Online-Reservierung war unkompliziert und wir konnten alles direkt vor Ort in Puerto Natales abholen. Ganz ehrlich hatten wir im Nachhinein aber das Gefühl: Das hätte wahrscheinlich sogar deutlich kurzfristiger funktioniert. Vor Ort gab es überraschend viel Ausrüstung zur Miete und die Auswahl war groß. Deshalb würden wir sagen: Wenn du in der Hauptsaison auf Nummer sicher gehen möchtest – vorher reservieren. Wenn du spontan unterwegs bist oder flexibel bleibst – bekommst du wahrscheinlich auch kurzfristig noch etwas in Puerto Natales.

 

Gerade Schlafsäcke, Trekkingstöcke oder Campingzubehör scheint es dort bei mehreren Anbietern in guter Menge zu geben.

Rückblickend war die Planung des W Treks zwar aufwendig – aber deutlich einfacher, als wir anfangs gedacht hatten.

Wenn die Camps einmal gebucht sind, fällt viel Last ab.

 

Und spätestens wenn du morgens im Bus nach Torres del Paine sitzt, beginnt dann sowieso der schönste Teil:

nicht mehr planen.

 

Sondern einfach loslaufen.

 

Der W Trek im Torres del Paine Nationalpark

14. Beste Reisezeit & Wetter im Torres del Paine – unser Eindruck aus Patagonien

Wenn man anfängt, den W Trek im Torres del Paine Nationalpark zu planen, landet man früher oder später fast zwangsläufig bei genau dieser Frage: Wann ist eigentlich die beste Reisezeit für Patagonien? Und ehrlich gesagt haben wir uns das vor unserer Reise genauso oft gefragt. Fast überall liest man dasselbe: Dezember bis Februar sei die beste Reisezeit für den Torres del Paine Nationalpark. Patagonischer Sommer, lange Tage, milde Temperaturen und beste Bedingungen zum Wandern. Klingt erstmal ziemlich gut – und war auch genau der Grund, warum wir unsere Reise so gelegt hatten. Das Internet versprach Temperaturen bis zu 20 Grad, stabile Bedingungen für Wanderungen und viel Sonne. Wir dachten also: perfekt.

 

Die Realität bei unserer Ankunft in Patagonien sah dann allerdings etwas anders aus. Als wir abends in Puerto Natales ankamen, hat es geregnet. Es war grau, nass, windig – und ziemlich kalt. Das Thermometer zeigte ungefähr fünf Grad. Auf den Bergen lag Schnee. Dazu dieser typische patagonische Wind, der einem direkt ins Gesicht bläst, sobald man aus dem Bus steigt. Und wir standen da mit unseren Trekkingrucksäcken, komplett bereit für fünf Tage Zelttrekking – und dachten nur: Okay… das also ist Sommer in Patagonien. Willkommen im Süden Chiles.

 

Und genau das beschreibt das Wetter im Torres del Paine vermutlich am besten: Es ist völlig unberechenbar. Egal wie oft man Wetter-Apps checkt oder Prognosen liest – am Ende macht Patagonien ohnehin, was es will. Das Wetter kann hier innerhalb kürzester Zeit komplett wechseln. Und damit meinen wir nicht morgens Sonne und abends Regen – sondern teilweise alles gleichzeitig oder im 5-Minuten-Takt.

 

Wir hatten auf dem W Trek Tage mit strahlend blauem Himmel, Sonnenschein und perfekter Fernsicht. Wir hatten Regen, der waagerecht durchs Tal flog. Wir hatten Sturm, bei dem man sich gegen den Wind lehnen musste, um nicht aus dem Gleichgewicht zu kommen. Wir hatten Schnee auf den Bergen. Und wir hatten Momente, in denen Sonne und dunkle Regenwolken gleichzeitig über dem Nationalpark standen. Man läuft morgens bei Sonnenschein los, zieht eine Stunde später die Regenjacke an, steht danach plötzlich wieder in T-Shirt und Sonnenbrille auf dem Trail – und zehn Minuten später versucht man, die Kapuze möglichst fest zuzuziehen, weil einem Wind und Regen gleichzeitig ins Gesicht peitschen. Gerade der Wind ist dabei wirklich ein Thema für sich. Und Wind meint in Patagonien nicht das, was wir zuhause Wind nennen würden. Wind in Patagonien fühlt sich eher an wie dauerhafter Sturm.

 

Normale Windgeschwindigkeiten liegen häufig irgendwo zwischen 20 und 30 km/h – und das gilt dort fast schon als ruhig. Dazu kommen regelmäßig stärkere Böen. Auch Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h sind hier keine Seltenheit. Teilweise mussten wir uns beim Wandern wirklich körperlich gegen den Wind stemmen. Besonders auf offenen Strecken oder an den Seen war das manchmal ziemlich absurd. Da lehnt man sich gefühlt schräg gegen den Wind, versucht gleichzeitig den Rucksack auszubalancieren – und lacht irgendwann einfach darüber, weil es so verrückt ist.

 

Wir fanden das tatsächlich oft eher amüsant – auch wenn wir uns zwischendurch mehr als einmal gefragt haben: Was machen wir hier eigentlich gerade? Denn seien wir ehrlich: In Deutschland würden wir bei diesem Wetter vermutlich nicht einmal spazieren gehen. Da würden wir aus dem Fenster schauen, den Regen sehen und eher überlegen, ob man sich nicht lieber drinnen mit einer Decke und Kaffee aufs Sofa setzt.

 

Aber kaum ist man in Patagonien unterwegs, zahlt viel Geld für einen Trek und hat monatelang darauf hingefiebert…zieht man die Regenjacke an und läuft trotzdem los. Ganz egal, ob draußen gerade Sonne, Sturm oder gefühlt ein halber Orkan unterwegs ist. Und genau das gehört am Ende irgendwie dazu.

 

Natürlich fragt man sich morgens schon manchmal kurz, ob man heute wirklich loslaufen sollte. Gerade wenn Regen aufs Zeltdach prasselt oder der Wind schon beim Frühstück durch alles pfeift. Aber gleichzeitig weiß man eben auch: verschieben geht nicht. Die Camps sind fest gebucht. Die Route steht. Man hat viel Geld dafür bezahlt. Und Patagonien wartet nicht auf besseres Wetter. Also macht man es einfach. Rucksack auf. Kapuze zu. Und oft wird man genau dafür belohnt.

 

Denn genauso schnell wie schlechtes Wetter auftaucht, kann es auch wieder verschwinden. Dann reißen plötzlich die Wolken auf, Sonnenstrahlen treffen auf die Berge, das Licht fällt über die Seen und die Landschaft sieht für einen Moment völlig surreal aus.

Diese Wetterwechsel gehören für uns heute fast genauso sehr zum Torres del Paine wie die Berge selbst.

 

Rückblickend würden wir sagen: Ja, Dezember bis Februar ist definitiv die beste Reisezeit für den W Trek – allerdings vermutlich mit Einschränkung.

 

Wenn wir nochmal planen würden, würden wir persönlich eher versuchen, zwischen Mitte Januar und Mitte Februar dort zu sein. Unser Eindruck war, dass der Dezember je nach Jahr noch sehr wechselhaft sein kann. Gerade wenn der Frühling in Patagonien spät endet, kann es zu Beginn des Sommers noch deutlich rauer und instabiler sein. Natürlich gibt es dafür keine Garantie – Wetter bleibt Wetter. Und schon gar nicht in Patagonien. Aber gefühlt ist es im Hochsommer etwas stabiler.

 

Unser persönliches Fazit nach fünf Tagen draußen im Torres del Paine: Plane für Sommer – aber packe für alle Jahreszeiten. Wirklich. Nimm Sonnencreme mit. Nimm Regenkleidung mit. Nimm warme Kleidung mit. Und rechne jederzeit mit Wind. Wenn du darauf vorbereitet bist, macht genau dieses unberechenbare Wetter Patagonien am Ende sogar noch beeindruckender.

Denn es fordert dich heraus – und macht diese Landschaft gleichzeitig noch wilder, ehrlicher und einzigartiger.

 

Der W Trek im Torres del Paine Nationalpark

15. Die Schattenseiten des W Trek – wenn aus Natur ein Luxusprodukt wird

So sehr uns der W Trek landschaftlich begeistert hat – es gibt auch eine Seite dieser Wanderung, über die aus unserer Sicht deutlich zu wenig gesprochen wird. Denn unser Erlebnis im Torres del Paine Nationalpark war nicht nur geprägt von spektakulären Ausblicken, türkisblauen Seen und Gletschern. Es war gleichzeitig auch geprägt von einem Gefühl, das uns immer wieder begleitet hat: Hier wird inzwischen vor allem sehr viel Geld verdient. Und das hat unseren Eindruck vom Trek an vielen Stellen ehrlicherweise getrübt.

 

Der größte Knackpunkt für uns war die Preisentwicklung im Nationalpark. Torres del Paine ist mittlerweile vermutlich eine der teuersten Mehrtageswanderungen der Welt. Wer den Trek über ein Reisebüro komplett organisiert bucht – inklusive Unterkünften, Verpflegung und Transfers – landet schnell bei 1.500 Euro pro Person, teilweise sogar deutlich mehr. Und zwar für drei bis fünf Wandertage. Selbst wenn man alles selbst organisiert, sein eigenes Gepäck trägt, auf Campingplätzen schläft und versucht möglichst viel selbst mitzunehmen, wird es kaum wirklich günstig.

 

Wir lagen trotz eigener Planung, Zelten vor Ort und möglichst einfacher Organisation am Ende ungefähr bei 1.500 Euro für zwei Personen – und dabei hatten wir längst nicht überall das Rundum-Komfortpaket. Natürlich: Patagonien war noch nie günstig. Und natürlich kostet Infrastruktur in einem so abgelegenen Nationalpark Geld. Aber an vielen Stellen fühlte es sich für uns nicht mehr nach „aufwendig organisiert“ an – sondern schlicht nach maximaler Monetarisierung. Vor allem rund um die Refugios hatten wir häufig das Gefühl, dass sich das Angebot inzwischen sehr klar an ein bestimmtes Publikum richtet: Touristen mit größerem Reisebudget, die sich fertig aufgebaute Zelte, gemachte Betten, warme Abendessen, Lunchpakete und möglichst viel Komfort dazubuchen.

 

Und ganz ehrlich – das können wir sogar verstehen. Nach einem langen Wandertag direkt in ein aufgebautes Zelt zu steigen oder im Refugio ein Zimmer zu haben, ist natürlich unglaublich angenehm.

 

Trotzdem hatten wir oft das Gefühl, dass Backpacker und Wanderer, die möglichst viel selbst organisieren oder mit eigenem Zelt reisen, eigentlich kaum noch gewollt sind. Für eigene Zelte gibt es oft nur wenige Stellplätze – manchmal vielleicht fünf oder sechs. Daneben stehen dann 50 oder 60 bereits aufgebaute Mietzelte. Auch die kleinen Campingküchen für Selbstversorger waren für uns ein klares Zeichen dafür. Sie waren meist sehr klein, oft voll, nicht besonders gemütlich und eher funktional als wirklich auf Selbstkocher ausgelegt.

 

Gleichzeitig waren die Refugios selbst, mit Restaurantbereich, Bar und warmem Essen, deutlich großzügiger organisiert.

Für uns fühlte sich das schon sehr bewusst gesteuert an. Wer mehr zahlt, bekommt den Platz. Wer selbst organisiert reist, findet gerade noch so seinen Bereich. Das muss nicht jeder so empfinden – aber das war ganz klar unser Eindruck vor Ort.

 

Was uns zusätzlich beschäftigt hat, war das Thema Sicherheit und Arbeitsbedingungen im Park. Während wir im Torres del Paine unterwegs waren, wurde immer wieder über Streiks und Unzufriedenheit bei den Rangern gesprochen. Viele Ranger beklagen schlechte Bezahlung, schwierige Arbeitsbedingungen und mangelnde Ausstattung. Und genau das hat uns überrascht. Denn wenn man sieht, wie viel Geld jährlich über Eintrittspreise, Campinggebühren, Transporte und Refugios umgesetzt wird, würde man eigentlich erwarten, dass davon auch ausreichend in Sicherheit, Infrastruktur und Personal investiert wird. Dass das offenbar nicht überall so ankommt, wirft schon Fragen auf.

 

Besonders präsent wurde dieses Thema nach den tragischen Ereignissen im November 2025, als auf dem O Trek fünf Menschen während eines Blizzards ums Leben kamen. Ein Vorfall, der weit über Patagonien hinaus für Diskussionen gesorgt hat. Und auch gezeigt hat: Dieser Teil der Welt ist wunderschön – aber gleichzeitig vollkommen kompromisslos. Patagonien kann gnadenlos sein. Das Wetter schlägt hier innerhalb kürzester Zeit um. Wind wird plötzlich zu Sturm. Regen zu Schnee. Sicht zu Nebel. Und genau deshalb sollte jeder, der hier wandert, wirklich wissen, worauf er sich einlässt.

 

Gerade deshalb fanden wir es teilweise schwierig zu sehen, dass viele Besucher dort unterwegs waren, die offensichtlich zum ersten Mal überhaupt einen Wanderrucksack trugen oder zum ersten Mal mehrere Tage wanderten. Natürlich darf jeder reisen, wie er möchte – keine Frage. Aber wir haben uns mehr als einmal gefragt: Ist der Torres del Paine wirklich der richtige Ort, um Wandern zum allerersten Mal auszuprobieren? Unsere ehrliche Antwort darauf ist: Eher nicht. Nicht wegen der Strecke allein – sondern wegen Wetter, Abgeschiedenheit, Wind und der Tatsache, dass sich Bedingungen dort innerhalb kürzester Zeit komplett ändern können.

 

Auch ein teurer Trek bleibt am Ende eben ein Trek in einer wilden Naturregion – kein Freizeitpark.

 

Und trotzdem: Wir verstehen jeden Menschen, der hierherkommt. Denn landschaftlich ist der Torres del Paine absolut außergewöhnlich. Wirklich einer der beeindruckendsten Orte, die wir je gesehen haben. Genau deshalb fällt dieser Zwiespalt für uns so stark auf. Einerseits pure Natur. Andererseits ein System darum herum, das sich an vielen Stellen sehr stark nach Geschäft anfühlt. Und genau das gehört für uns eben auch ehrlich zu diesem Erlebnis dazu. Auch deshalb, weil sich viele Einheimische diesen Nationalpark inzwischen selbst kaum noch leisten können. Ein Ort mitten in ihrer Heimat – und gleichzeitig finanziell für viele kaum erreichbar.

 

Gerade wenn ab 2026 die Preise erneut steigen und zusätzliche Gebührenmodelle je nach Trek eingeführt werden, wird diese Diskussion vermutlich eher noch größer werden. Für uns bleibt Torres del Paine deshalb beides gleichzeitig: Einer der schönsten Orte, die wir je gesehen haben. Und gleichzeitig einer der Orte, an denen wir am deutlichsten gespürt haben, wie sehr Natur inzwischen zu einem hochpreisigen Reiseprodukt geworden ist.

 

Der W Trek im Torres del Paine Nationalpark

16. Würden wir rückblickend etwas anders machen?

Wenn wir heute auf unsere fünf Tage auf dem W Trek zurückblicken und uns ehrlich fragen, ob wir etwas anders machen würden, lautet die Antwort tatsächlich: Eigentlich nicht. Natürlich gab es unterwegs Dinge, über die wir uns geärgert haben. Und natürlich haben wir mehrfach über Preise, Buchungssysteme oder die Kosten im Nationalpark den Kopf geschüttelt. Aber was die Wanderung selbst betrifft – unsere Route, unsere Etappen, unsere Ausrüstung und auch die Entscheidung, Zelte zu mieten – würden wir es rückblickend genauso wieder machen.

 

Was definitiv bleibt, ist dieses gemischte Gefühl beim Thema Kosten. Torres del Paine ist wunderschön. Spektakulär. Einzigartig. Einer der beeindruckendsten Orte, die wir bisher gesehen haben. Aber gleichzeitig merkt man an vielen Stellen schon sehr deutlich, dass dort inzwischen viel Geld verdient wird. Die Preise für Unterkünfte, Essen, Transporte und Zusatzleistungen sind hoch – teilweise wirklich sehr hoch. Und manchmal hat uns das vor Ort schon etwas nachdenklich gemacht.

 

Gerade weil man mitten in dieser wilden Natur unterwegs ist und sich eigentlich genau nach diesem einfachen Outdoor-Gefühl sehnt – und dann kostet ein Abendessen plötzlich so viel wie andernorts eine Hotelübernachtung. Das trübt das Erlebnis nicht komplett – aber es begleitet einen schon immer mal wieder. Am Ende muss man ehrlich sagen: Die Preise sind, wie sie sind.

Und wenn man diesen Ort sehen möchte, zahlt man sie – oder man entscheidet sich bewusst dagegen. So hart klingt das vielleicht. Aber genau so fühlt es sich ein Stück weit an. Und trotzdem würden wir jederzeit wieder sagen: Es lohnt sich. Denn dieser Nationalpark und diese Wanderung sind einfach etwas ganz Besonderes.

 

Wenn wir überhaupt etwas anders machen würden, dann vielleicht beim Essen. Möglicherweise würden wir beim nächsten Mal das Abendessen öfter selbst mitnehmen oder zumindest teilweise anders planen. Einfach, weil es wirklich teuer ist für das, was man teilweise bekommt. Andererseits war es nach einem langen Wandertag auch unglaublich angenehm, abends einfach irgendwo reinzugehen, sich auf eine Bank zu setzen und einen warmen Teller Essen vor sich stehen zu haben – ohne selbst noch kochen zu müssen. Kein Wasser aufsetzen. Kein Kocher. Kein Abwasch. Kein zusätzlicher Aufwand. Einfach essen und danach müde ins Zelt fallen. Und genau das war unterwegs eben auch viel wert.

 

Beim Thema Zelt würden wir dagegen jederzeit wieder genauso entscheiden. Ein aufgebautes Zelt zu mieten war für uns rückblickend genau richtig. Allein Kleidung, Kamera, Technik, Frühstück, Snacks und dazu noch der Schlafsack – das war für uns ehrlich gesagt mehr als genug Gewicht. Ein eigenes Zelt zusätzlich mehrere Tage durch Patagonien zu tragen hätten wir persönlich nicht gebraucht. Natürlich spart man Geld, wenn man alles selbst mitbringt. Aber Gewicht spart man definitiv nicht.

 

Und genau da würden wir jedem raten:

  • Sei ehrlich zu dir selbst.
  • Nicht zum Geldbeutel.
  • Nicht zu irgendwelchen Trekking-Foren.
  • Sondern zu dir.
  • Was kannst du körperlich wirklich gut tragen?
  • Womit fühlst du dich unterwegs wohl?
  • Wie viel Komfort brauchst du, damit du diese Wanderung genießen kannst?

Denn nur weil der Trek teuer ist, lohnt es sich aus unserer Sicht nicht automatisch zu sagen: „Dann nehme ich eben alles selbst mit, koste es, was es wolle.“ Wenn du dich damit körperlich überforderst, wird die Wanderung schnell anstrengend – und irgendwann vielleicht sogar einfach nur noch unangenehm. Und genau das wäre schade. Denn der W Trek ist kein Ort, durch den man sich irgendwie durchkämpfen sollte. Es ist ein Erlebnis, das man genießen möchte. Und zwar möglichst vom ersten bis zum letzten Kilometer.

 

Deshalb würden wir heute jedem eher empfehlen:

  • Wenn es finanziell irgendwie möglich ist – gönn dir den Komfort, der es für dich leichter macht.
  • Vielleicht ein Mietzelt.
  • Vielleicht ein Abendessen.
  • Vielleicht ein leichterer Rucksack.

Denn diese Wanderung ist für viele – und auch für uns – wirklich ein Once-in-a-Lifetime-Erlebnis. So ein Ort, von dem man jahrelang träumt. Den man vielleicht genau einmal im Leben macht. Und wenn das so ist, dann darf es aus unserer Sicht unterwegs auch ein bisschen leichter sein. Dann darf man es sich auch ein Stück weit schön machen.

 

Denn wenn man nach fünf Tagen mit müden Beinen, zerzausten Haaren und dreckigen Wanderschuhen wieder aus dem Nationalpark kommt, möchte man vor allem eines mitnehmen: nicht das Gefühl, irgendwie durchgekommen zu sein. Sondern das Gefühl: Wow. Das war wirklich atemberaubend.

 

Der W Trek im Torres del Paine Nationalpark

17. Unser Fazit – lohnt sich der W Trek im Torres del Paine?

Wenn wir heute auf unsere fünf Tage im Torres del Paine Nationalpark zurückblicken und uns ehrlich fragen, ob sich der ganze Aufwand gelohnt hat, dann ist die Antwort ganz klar: Ja. Absolut.

 

Und trotzdem fällt uns dieses Fazit gar nicht so leicht. Vielleicht gerade deshalb, weil der W Trek für uns nicht einfach nur eine schöne Wanderung war. Es war viel mehr als das.

 

Es war ein Ort, von dem wir lange geträumt haben. Einer dieser Orte, die über Jahre immer wieder auftauchen. Auf Fotos. In Gedanken. Auf irgendwelchen Bucketlists, die man irgendwann einmal geschrieben hat. Gerade für Katja war diese Wanderung ein echter Lebenstraum. Und irgendwann standen wir dann tatsächlich dort – mitten in Patagonien, vor den Torres, müde, windzerzaust, mit schweren Beinen und völlig überwältigt davon, dass wir wirklich hier sind. Allein dafür hat sich die Reise schon gelohnt.

 

Die Natur im Torres del Paine Nationalpark ist genau so beeindruckend, wie man sie sich vorstellt – vielleicht sogar noch beeindruckender. Diese Landschaft wirkt an vielen Stellen fast unwirklich. Türkisblaue Seen, schroffe Bergmassive, Gletscher, offene Täler, ständig wechselndes Licht und darüber dieser Himmel, der nie gleich aussieht. Mal dunkel und dramatisch, mal strahlend blau, mal irgendwo dazwischen.

 

Aber was uns fast noch mehr in Erinnerung geblieben ist als die Landschaft selbst, ist dieses Gefühl des Unterwegsseins.

Fünf Tage draußen.

Vier Nächte im Zelt.

Morgens vom Wind geweckt werden.

Den Zeltreißverschluss öffnen und direkt auf Berge schauen.

Abends völlig erschöpft in den Schlafsack fallen.

Müde Beine.

Kalte Hände.

Nasse Schuhe.

Und gleichzeitig dieses unglaublich einfache Leben unterwegs.

Laufen.

Pause machen.

Essen.

Weiterlaufen.

Schlafen.

Mehr braucht es plötzlich nicht.

 

Es ist verrückt, wie schnell sich alles reduziert. Wie wenig man eigentlich braucht. Und wie gut sich dieses einfache Leben draußen anfühlen kann, wenn man einmal komplett drin ist. Genau dieses Gefühl hat den Trek für uns so besonders gemacht.

Dazu kommt natürlich auch der Stolz. 67 Kilometer in fünf Tagen.

 

Mit Gepäck.

Mit Wind.

Mit Regen.

Mit Sonne.

Mit Schnee.

Und mit allem, was Patagonien dazwischen noch für einen bereithält.

 

Als wir am Ende im Catamaran zurücksaßen und langsam aus dem Nationalpark herausfuhren, war da definitiv dieses Gefühl:

Wir haben das wirklich gemacht. Und das fühlt sich ziemlich gut an. Natürlich war nicht alles leicht. Der Trek war körperlich deutlich anstrengender, als wir vorher gedacht hatten. Gerade der Rucksack war für uns ein größeres Thema als erwartet. Obwohl wir bewusst wenig dabeihatten, war er trotzdem jeden Morgen wieder erstaunlich schwer. Kleidung, Schlafsack, Technik, Snacks, Wasser – es summiert sich einfach schneller, als man denkt.

 

Und dann natürlich das Wetter.

Patagonien macht, was Patagonien will.

Wir hatten Sonne.

Wir hatten Regen.

Wir hatten Schnee auf den Bergen.

Wir hatten Sturm.

Teilweise alles innerhalb weniger Stunden.

Es gab Momente, da standen wir draußen im Wind und haben uns ehrlich gefragt:

Was machen wir hier eigentlich gerade?

 

Und gleichzeitig gab es wenige Minuten später wieder diesen Moment, wenn die Wolken aufreißen, Licht auf die Berge fällt und plötzlich alles wunderschön aussieht. Genau dieses Wechselspiel gehört dort einfach dazu.

 

Ob wir den W Trek nochmal machen würden?

Ganz ehrlich?

Wahrscheinlich nicht.

 

Nicht, weil es uns nicht gefallen hätte – im Gegenteil.

Es war großartig.

Es war besonders.

Und wir sind unglaublich dankbar, dass wir das erleben durften.

 

Aber gleichzeitig hat uns etwas auch nachdenklich zurückgelassen – und das war die Art und Weise, wie dieser Ort inzwischen organisiert und monetarisiert wird. Torres del Paine ist eine der beeindruckendsten Naturlandschaften, die wir je gesehen haben. Umso mehr fiel uns auf, wie teuer vieles inzwischen geworden ist. Unterkünfte, Essen, Transport – an vielen Stellen merkt man deutlich, dass hier inzwischen sehr konsequent Geld verdient wird. Das hat unser Erlebnis nicht zerstört, aber es hat es begleitet.

 

Man steht mitten in einer der schönsten Landschaften der Welt – und zahlt gleichzeitig für vieles Preise, bei denen man zwischendurch schon schlucken muss. Das darf man aus unserer Sicht auch ehrlich sagen. Trotzdem bleibt am Ende vor allem die Erinnerung an diese Landschaft.

 

An diese fünf Tage draußen.

An den Wind.

An den Regen auf dem Zeltdach.

An das Gefühl, morgens loszulaufen.

An das Ankommen.

Und an den Moment vor den Torres.

 

Wem würden wir den W Trek empfehlen?

 

Allen, die gerne wandern und Lust haben, Patagonien wirklich intensiv zu erleben. Allen, die sich nach Natur sehnen, nach Weite, nach Bergen und mehreren Tagen draußen. Aber auch wirklich nur denen, die sich bewusst sind, worauf sie sich einlassen. Denn der W Trek ist aus unserer Sicht kein Ort, um das erste Mal überhaupt wandern zu gehen. Es ist kein gemütlicher Spaziergang. Und auch kein Trek nach dem Motto: „Ich habe dafür bezahlt – da bringt mich schon irgendwer durch.“ Patagonien bleibt wild. Das Wetter bleibt unberechenbar. Und der Trek bleibt körperlich anspruchsvoll. Wer das weiß und genau deshalb Lust darauf hat, wird dort vermutlich eine der beeindruckendsten Wanderungen seines Lebens erleben.

 

Nach vielen Jahren auf unserer Bucketlist standen wir endlich vor den Torres – müde, windzerzaust, mit schweren Beinen und unglaublich glücklich. Und auch wenn wir ihn wahrscheinlich kein zweites Mal laufen würden: Jeder einzelne Kilometer war es wert.


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