Wir steigen hinab in den zweittiefsten Canyon der Welt!

Nicht allzu weit entfernt von Arequipa in Peru findet man mit dem Colca Canyon, den zweittiefsten Canyon der Welt … oder dritttiefsten je nachdem welche Messmethode man nutzt. Aus unserer Sicht ist das aber eigentlich auch egal. Fakt ist, es geht weit über einen Kilometer hinunter. Außerdem ist der Colca Canyon einer der besten Orte, um Kondore zu sehen und das hatten wir bisher noch nicht. Es gab also genug Gründe sich diesen Canyon anzuschauen.

 

Ausgestattet mit unserer neuen Wanderlust, die wir in Peru entdeckt haben, war schnell beschlossen, dass wir mehr wollen als nur hinfahren und mal runter gucken. Wenn wir schon zum Colca Canyon fahren, dann gehen wir auch hinunter. Es stand also die nächste Trekkingtour nach dem Salkantay Trek an.

 

Wir entschieden uns für die 3-tägige Rundwanderung von Cabanoconde über San Juan de Chuccho und Llahuar und dann wieder zurück nach Cabanoconde. 36 Kilometer in 3 Tagen klingt eigentlich gut machbar. Aber die Kilometer waren nicht das Problem, es sollten die Höhenmeter werden, die uns am Ende mal wieder bis an unsere Grenzen führten. Am Ende sind wir mehr als 1600 Meter hoch und 1900 Meter runter gelaufen. Gerade das Runterlaufen war dabei nicht ohne, denn es geht beim Abstieg überwiegend über schmale Geröll- und Felswege, die teilweise 40 Prozent Gefälle haben. Dazu kommt noch die Sonne, die unbarmherzig auf einen runter scheint.

 


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Um nach Cabanoconde zu kommen, nahmen wir von Arequipa den Bus nach Cabanoconde. Für die 200 Kilometer braucht der ungefähr 6 Stunden. Besonders auf dem letzten Stück entlang dem Canyon kommt der Bus dann nur noch schleppend voran. Für knappe 50 Kilometer braucht es dann 2 Stunden.

 

Bevor wir in den Colca Canyon abstiegen, sind wir am ersten Tag noch zu einem der besten Aussichtspunkte am Colca Canyon gefahren: dem Cruz del Condor. Hier kann man hervorragend Kondore beobachten, behauptete zumindest die Werbung. Wir waren also gespannt und anfangs etwas enttäuscht, denn außer einem Mann in einem Kondor Kostüm war nicht viel zu sehen.

 

Erst nach knapp 30 Minuten tauchte mal ein Kondor auf und schwang sich kurz entlang der Felswand unter uns. Das war aber nur der Anfang, denn in der nächsten Stunde tauchten immer mehr Exemplare auf und kreisten entlang der Schlucht und später sogar über dem Cruz del Condor.

 

Als nächstes stand der Abstieg auf dem Plan. Gegen 10:00 Uhr waren wir am Startpunkt und liefen los. Anfangs fällt der Weg flach ab und läuft sich ziemlich leicht. Allerdings ist bereits hier keinerlei Schatten zu finden und das bleibt auch so. Nach etwa dem Viertel des Weges wechselt man dann zu einem steilen Felsweg, der dann später in Serpentinen über allerlei Geröll geht. Von faustgroßen Steinen bis Stecknadelkopfgroß ist alles vertreten, es wird also nicht langweilig. Die Ausblicke in den Canyon sind aber famos.

 

Ich war nach zwei Drittel des Abstieges eigentlich schon total fertig, die Sonne setzte mir ordentlich zu. Aber wie heißt es so schön: Wenn man denkt man ist am Ende, ist man eigentlich erst bei 40 Prozent. Also weiter. Wir passierten den Fluss Colca am Ende des Abstieg und nach etwa 6 Stunden kamen wir in unserer Unterkunft in San Juan de Chuccho an. Eine schöne Anlage mit hübschem Garten, die ich tatsächlich erstmal für ein ausgiebiges Nickerchen bis zum Abendessen nutzte.

 

Der zweite Tag begann um 6 Uhr. Nach dem Frühstück starteten wir unsere Tour nach Llahuar. Diesmal waren wir aber nicht allein. 3 Hunde hatten beschlossen, dass sie uns begleiten wollen. Wir nannten sie Negro, Hinkebein und Nervensäge. Hinkebein hatte eine Verletzung am Vorderlauf, aber er lief trotzdem die kompletten 12 Kilometer bis nach Llahuar mit uns mit. Nervensäge bekam seinen Namen, weil er leider das Klischee des kleinen Kläffers bestens bediente, sobald jemand oder etwas auftauchte, ging es los. Und Negro, der Entspannteste der Drei war ein alter schwarzer Hund, den wir schon aus dem Hostel in Cabanoconde kannten. 

 

Der Weg ging an dem Tag überwiegend entlang der Schotterstraßen, da wir im Vorfeld gehört hatten, dass viele Wanderwege geschlossen sind, da sie durch Erdrutsche nicht mehr passierbar sind. Die Tour geht entlang der Cabanoconde gegenüberliegenden Seite des Colca Canyon, die auch immer wieder grüne Abschnitte hat, wo es mehr Vegetation gibt. Der überwiegende Teil des Weges ist aber auch hier schattenlos. 

 

Bis Llahuar brauchten wir etwa 5 Stunden. Negro hatte uns zwischendrin verlassen und sich einer anderen Gruppe von Wanderern angeschlossen. Hinkebein und Nervensäge waren aber bis zum Schluss bei uns. In der Unterkunft trennten sich unsere Wege dann aber leider. Hinkebein war auf Kriegsfuß mit den Hunden der Unterkunft. Der Besitzer der Casa del Virginia erzählte uns, dass die Verletzung am Bein tatsächlich auch von einer Auseinandersetzung mit den Hunden der Unterkunft einige Tage zuvor stammte. Hinkebein verzog sich also recht schnell nach dem ersten Aufeinandertreffen der Hunde und war nicht mehr gesehen. Nervensäge durfte erstmal bleiben, allerdings wollte er sich nicht richtig unterordnen und musste auch gehen als er die Hunde und den Besitzer der Anlage anging. Eigentlich schade, dass es so ausging, aber die Wanderung mit den Dreien war trotzdem schön. 

 

In Llahuar gibt es eine heiße Quelle und wir verbrachten den Rest des Tages in dem kleinen Pool unserer Unterkunft und aßen sehr leckere Orangen direkt vom Baum. Was auch dringend nötig war, denn am nächsten Tag kam dann der Endgegner. Der Aufstieg zurück nach Cabanoconde stand mit seinen knapp 1300 Höhenmeter verteilt auf 12 Kilometer an. 

 

Der Aufstieg von Llahuar hat zwei steile Anstiege, an denen es jeweils etwa 450 Meter steil hoch geht, dazwischen gibt es immer wieder flacher ansteigende Abschnitte. Zwischendrin haben wir hier immer wieder auch ein paar Kondore gesehen, was sehr schön war. Die letzten 4 Kilometer wurden hier aber zur Herausforderung. Die Pausen wurden immer häufiger, die Abstände dazwischen kürzer, das Wasser immer weniger aber leider nicht der Durst. Am Ende kamen wir aber doch an und erreichten nach 6 Stunden ziemlich erschöpft Cabanoconde. Als Belohnung gab es am Plaza de Armas dann erst einmal eine kalte Inka Kola.

 

Wie so oft beim Wandern ist der Weg das Ziel. Für den Colca Canyon könnte man das vielleicht abwandeln zu: Wieder hoch kommen ist das Ziel. Es war für uns eine sehr herausfordernde Wanderung, die wir vielleicht auch ein wenig unterschätzt haben. Wir sind aber umso zufriedener mit uns selbst, dass wir sie geschafft haben und so einen sehr würdigen Abschluss für unsere Zeit in den Anden von Peru gefunden haben.

 

Grüße, Nico

 

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