Thakgil

Am Fuße des Myrdalsjökull und dem Vulkan Krafla

Nur 15 Kilometer von der Ringstraße im Süden Islands entfernt liegt die kleine Schlucht Thakgil, die von steilen grünen Bergen umgeben ist hinter denen der Myrdalsjökull und der Vulkan Katla liegt. Die Anfahrt ist abenteuerlich, aber wer einmal da ist, der wird sich fühlen als wäre er im Land der Elfen zu Besuch. In Thakgil gibt es nicht nur mehrere Wanderwege, sondern auch einen der schönsten Campingplätze in Island.

 

Thakgil Island

Die sanften Hügel von Thakgil aus der Vogelperspektive


Inhalt:




1. Der Vulkan Katla und der Gletscher Myrdalsjökull – eine ständige Gefahr?

Die kleine Schlucht Thakgil liegt inmitten des Katla Geoparks. Die Landschaft ist geprägt durch die grünen Hügel alter Vulkane, die Lava vergangener Ausbrüche und den mäanderten Gletscherflüssen in den Ebenen dazwischen und über allem thront der Myrdalsjökull.

 

Der riesige Gletscher ist 596 Quadratkilometer groß und bedeckt damit fast fünfmal so viel Fläche wie Paris. Unter dem Myrdalsjökull sich die 100 km2 große und bis zu 700 Meter tiefe Caldera des Vulkan Katla, id der der Gletscher ruht.  Entstanden ist der Vulkan Katla vor ungefähr 10000 Jahren.

 

Durch den Gletscher ist dieser Vulkan, der noch als aktiv gilt, von teilweise 700 Metern dickem Eis bedeckt. Das verrückte daran ist, das der Katla sich jedes Jahr um einige wenige Zentimeter hebt und man den Ausbruch seit Jahren erwartet. In Island heißt es er wäre längst überfällig. Diese Kombination aus Eis und Feuer ist fatal.

 

Bei der letzten Eruption im Jahr 2011 brach eine zerstörerische Flut im Südosten des Myrdalsjökull hervor und stürzte talwärts. Dabei wurde auf ihrem weg einfach alles verschluckt. Das Schwemmland um Thakgil gibt einen Eindruck der Kräfte, die hier am Werke waren. Man sieht kilometerweit nur die flache Gerölllandschaft.

 

Das ist wohl auch eine der gefürchtetsten Dinge, welche bei einem neuerlichen Ausbruch auftreten können. Wenn der Katla ausbricht würden innerhalb kürzester Zeit riesige Mengen Gletschereis verdampfen und als riesige Flutwelle in die Täler stürzen. Die Zerstörung wäre verheerend. Daher ist der schlafende Riese der am besten überwachte Vulkan Islands. Eine einzigartige Naturlandschaft, welche auf Island einmalig ist.

 

Der beste Platz um diese wunderschöne und doch so schroffe Welt zu erkunden ist Thakgil. Eine unbefestigte Straße führt von der Ringstraße durch diese Landschaft und führt nach Thakgil, das am Fuße des Myrdalsjökull liegt. Von hier aus kann man verschiedene Wanderwege nutzen, um diese außergewöhnliche Landschaft zu erkunden.

 

Myrdalsjökull

Die grünen Hügel in Thakgil mit dem Myrdalsjökull im Hintergrund



2. Wie kommt man nach Thakgil

An der Ringstraße 1 im Süden Islands zwischen Vik y Myrdal und dem Skaftafell Nationalpark geht kurz hinter Vik der Kerlingardalsvegur, die Straße Nr. 214 ab. Die Abzweigung befindet sich am Hotel Katla an der Ringstraße. Die Schotterstraße führt gute 16 Kilometer durch die grandiose Landschaft und endet schließlich am Campinglatz Thakgil.

 

Die gesamte Straße ist nicht geteert aber dafür mit einigen wilden Schlaglöcher ausgestattet. Man benötigt etwa 35 Minuten bis zum Campingplatz. Aber auch mit einem normalen Auto ohne 4x4 ist der Weg gut zu schaffen. Die Isländer haben da auch wenig Sorge und fahren mit allem möglichen Gefährt hier hinein. Ob nun großes Wohnmobil oder mit Anhängern, es funktioniert im Grunde alles. Man muss eben einfach etwas vorsichtig fahren.

 

Die Anfahrt für sich ist schon ein Highlight und wenn man dann um die letzte Kurve biegt und sich der Campingplatz, umgeben von den grünen Hügeln vor einem auftut, dann ist man einfach nur sprachlos. 

 

Pakgil Island

Die Straße nach Thakgil führt durch das Schwemmland des Myrdallsjökull


3. Camping Thakgil

Der Campingplatz Thakgil bietet alles was man für einen entspannten Aufenthalt benötigt. Es gibt eine kleine Rezeption, wo man für die Übernachtung zahlt. Pro Person kostet die Nacht 2300 ISK.

 

Es gibt ein großes Servicegebäude mit ausreichend Toiletten und heißen Duschen und außen eine Abwaschmöglichkeit. Ein Highlight hier ist aber die kleine natürliche Höhle am Rande des Platzes, wo man nicht nur sitzen, sondern auch grillen kann. Gerade wenn es mal regnet, ist dieser urige Gemeinschaftsraum wunderbar, um im Trockenen essen zu können.

 

Es gibt auch kleine Bungalows, die man mieten kann. Sie sind mit Toilette und Kochnische ausgestattet und kosten ungefähr 25000 ISK pro Nacht.

 

Noch mehr Infos und Fotos über den Campingplatz gibt es in unserem Artikel Top 7 Campingplätze in Island. 

 

Der Campingplatz in Thakgil



Rund um den Campingplatz starten einige markierte Wanderungen zum Myrdalsjökull, um noch mehr von der beeindruckenden Landschaft zu sehen. Neben der Rezeption findet man hierzu Informationen

 

Die kürzeste und unkomplizierteste Wanderung ist ein etwa 5 minutiger Fußweg zu einem kleinen Wasserfall am Nordöstlichen Ende des Campingplatzes. Ein keiner angenehmer Spaziergang, den man sich nicht entgehen lassen sollte, denn dieses kurze Stück bietet schon einen beeindruckenden Einblick in die Schluchtenlandschaft rund um Thakgil


4. Die Wanderungen in Thakgil

An der Rezeption des Campingplatz Thakgil werden 3 große Wanderungen beschrieben, die auch markiert sind. Auf dem Schild werden alle 3 angezeigt:

 

Rot: Tour zum Maelifell:

  • 13,5 Kilometer
  • 500 Höhenmeter
  • 4-5 Stunden Dauer

Wanderung um die Berge Vonduhöfud, Maelifell und Sker mit schönen Weitsichten in die Schwemmebene und den Süden Islands sowie zu den Gletschern des Myrdalsjökull.

 

Lila: Remundargilsfoss:

  • 12,5km
  • 250 Höhenmeter
  • 3-5 Stunden Dauer

Wanderung über den Bergkamm hinunter in die Remundargil Schlucht mit dem Remundargilsfoss am Schluchtenende, danach geht es weiter in die Schwemmebene Myrdalssandur und bei Bedarf auch noch zum Kötlujökull Gletscher.

 

Gelb: Asturafrettur:

  • 17 Kilometer
  • 500-600 Höhenmeter
  • 6-8 Stunden Dauer

Es geht wie bei der roten Tour hinauf zum Sker auf 749 Meter, mit fantastischen Blicken zum Myrdalsjökull. Danach führt die Tour auf der Seite des Kötlujökull Gletschers zurück.

 

Thakgil Karte

Übersichtskarte zu den Wanderungen in Thakgil


5. Die Wanderung zum Remundargilsfoss und zum Schwemmland des Myrdalsjökull

Wir haben uns in Thakgil für die Wanderung zum Remundargilsfoss entschieden und uns einen Tag dafür Zeit genommen. Die Wanderung startet direkt am Campingplatz.

  • Dauer: 4-5h
  • Strecke: 12,5 Kilometer
  • Höhenmeter: circa. 250m (mit dem Umweg zum Kötlujökull nochmals +250m)
Pakgil Island

Lila Pflöcke markieren die Wanderrunde zum Remundargilsfoss

Vom Campingplatz aus läuft man ein Stück geradeaus die Straße zurück (etwa 700m) und blickt in der Kurve nach links zu den aufsteigenden Hügeln. Dort kann man einen kleinen steilen Weg erkennen, der die Bergflanke direkt hinaufführt.

 

Das ist der Weg, den wir gehen. Ein Markierungspfosten mit der lila Farbe steht hier an der Straße und verweist in die Richtung des Berges. Zuerst muss man allerdings über den kleinen Fluss kommen. Man suche sich eine Stelle, wo es nicht ganz so tief ist, und läuft hindurch. Die Schuhe bleiben dabei nicht wirklich trocken und wir waren froh um unsere Wanderschuhe. Alternativ kann man den Fluss auch am Campingplatz Thakgil über eine Brücke überqueren und läuft dann einfach entlang des Berghangs über einen schmalen Pad zum Startpunkt der Wanderung.

 

Danach geht es gute 100 – 150 Höhenmeter steil den Berg hinauf. Der Weg ist rutschig und voller Geröll. Man sollte schwindelfrei sein und vorsichtig hinaufgehen. Auf dem weg nach oben hat man schon eine fantastische Aussicht hinunter zum Campingplatz und sieht auch bereits den Myrdalsjökull, welcher hinter all den kleinen Hügeln mit seiner weißen Kappe aufragt.

 

Der Beginn des Wanderweges

Man überquert den Kamm des Hügels und steht in einer kleinen Senke, wo sich unser Wanderweg (lila) mit dem Gelben Wanderweg kreuzt. Wir gehen geradeaus weiter und folgen den lila Stäben. Man läuft ein Stück oben auf den Hügeln entlang und nur wenige Meter später steht man oben auf dem Hügel und schaut hinunter in die Schlucht, an deren Ende sich der Remundargilsfoss befindet.

 

Die Aussicht ist wunderschön und man kann den Wasserfall schon erahnen. Aber erst einmal geht es hinunter. Der Weg hinunter an der Flanke des Berges ist sehr steil. Von unten aus gesehen hätte ich nie geglaubt, dass dort ein Weg sein könnte, auf dem man unbeschadet hinunter in die Remundargil Schlucht gelangen kann. Von oben sah es schon steil, aber machbar aus. Mit beiden Händen als Hilfe, viel aufpassen wo man hintritt und der konsequenten Bereitschaft sich im Zweifel auf den Hosenboden zu setzten, kommt man aber unbeschadet unten in der Schlucht an.

 

Es geht hinunter in die Schlucht

Man quert den kleinen Wasserlauf und hat nun die Möglichkeit, sich erst einmal nach links zuwenden und die Schlucht bis zum Ende zu erwandern. Anfangs läuft man noch durch eine breite Schlucht auf einem Weg durch die Wiesen, später geht es dann das steinige Flussbett entlang. Es gibt am Ende keinen Weg mehr, aber die Richtung ergibt sich von allein. Hinter der letzten Biegung wartet dann mit dem Remundargilsfoss ein wirklich bezaubernder Wasserfall, der jede Mühe lohnt. Rechts kann man noch einige Meter nach oben steigen und sieht den Wasserfall dann von einer etwas erhöhten Position.

 

Der Remundargilsfoss

Danach geht es den Weg erst einmal wieder zurück durch die sich weiter öffnende Schlucht. Man folgt wieder den lilafarbenen Holzpflöcken und läuft durch die Remundargil Schlucht hindurch. Auf der anderen Seite öffnet sich der Blick in die riesige Schwemmebene Myrdalssandur. 

 

Ein paar Eindrücke aus der Schlucht

Linkerseits führt der Weg um den Berg Remundargilshöfud herum und auf der anderen Seite durch ein kleines Tal wieder bergauf. Am Tal Ende angekommen überblickt man die Schwemmebene und kann im Hintergrund die Ausläufer des Gletschers Kötlujökull erahnen.

 

Der Weg führt hier wieder hinauf über einen Sattel in Richtung Kötlujökull. Von dort hat man auch einen guten Blick über den Gletscher. Der Weg führt dann am Hang des Berges Vatnsrasarhöfud weiter entlang und wird zunehmend schmaler und abschüssiger. Man sollte hier sehr vorsichtig sein und den Weg nur mit ausreichender Trittsicherheit und bei trockenem Wetter weiter folgen. Einige Höhenmeter sind auf diesem Weg auch wieder zurückzulegen.

 

Um der Wanderung wieder zurück Richtung Thakgil zu folgen, muss man wieder umkehren und den Weg zurück bis zum Ende der Remundargil Schlucht nehmen. Wir sind nur bis zur ersten Aussicht über die Schwemmebene gegangen und dann bereits wieder umgekehrt. 

 

Der Blick öffnet sich in Richtung des Schwemmlandes des Myrdallsjökull



Vom Ende der Remundargil Schlucht führt der Rückweg in Richtung Thakgil in einem langgezogenen Bogen eben und gemütlich zurück in Richtung der Schotterstraße 214. Anfangs geht man entlang eines kleinen Pfades und wenn man auf die 214 trifft, folgt man einfach der Schotterstraße zurück bis zum Thakgil Campingplatz. Dabei läuft man an der Schwemmebene entlang und kann auch diese Landschaft noch von Nahem bestaunen.

 

Der Weg zurück führt zur Straße und dann entlang der Schwemmebene


ENDE

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